Ein Grund für die relative Stärke der US-Indizes

Die US-Indizes zeigen derzeit wieder eine klare relative Stärke gegenüber dem DAX.

von Sven Weisenhaus

Sie konnten einen Großteil ihrer Verluste von Anfang Februar aufholen konnten, während der DAX am vergangenen Montag schon am 38,20 % Fibonacci-Retracement der Korrekturbewegung nach unten abgeprallt war (siehe roter Pfeil Nr. 1 im folgenden Chart und Börse-Intern vom vergangenen Dienstag). Heute hat der deutsche Leitindex auch noch seinen flachen Aufwärtstrendkanal (grün) nach unten gebrochen (roter Pfeil Nr. 2) und steht damit nur noch rund 200 Punkte oberhalb seines Korrekturtiefs vom 9. Februar.

 

DAX - kurzfristige Chartanalyse

 

Es droht damit die zweite Abwärtswelle mit neuen Korrekturtiefs, die ich für diesen Fall in Aussicht gestellt habe. Noch besteht aber Hoffnung, dass es nicht soweit kommt, weil man den DAX bislang noch in einer Seitwärtstendenz sehen kann (oranger Pfeil). Aber die charttechnischen Gefahren haben sich mit den aktuellen Verlusten eindeutig verschärft.

US-Indizes standen den Allzeithochs näher als den Korrekturtiefs

Zumal auch die US-Indizes jüngst wieder zur Schwäche neigen. Doch zuvor standen die US-Indizes, im klaren Gegensatz zum DAX, ihren Allzeithochs deutlich näher als ihren Korrekturtiefs. Der Nasdaq100 (siehe folgender Chart) war im Hoch sogar nur noch knapp 20 Punkte bzw. 0,28 % von seinem Allzeithoch entfernt.

 

Nasdaq100 - Chartanalyse

Ein möglicher Grund für diese Stärke könnte sein, dass die US-Unternehmen angekündigt haben, so viele eigene Aktien zurückkaufen zu wollen wie noch nie.

Aktienrückkäufe treiben die Kurse von US-Aktien

Laut dem auf solche Transaktionen spezialisierten Analysehaus TrimTabs summierten sich die Ankündigungen der Firmen im Februar auf 153,7 Milliarden Dollar. Der bisherige Rekord in einem Monat lag bei 133 Milliarden Dollar im April 2015. Im Januar waren es demnach knapp 60 Milliarden.

Natürlich treiben Aktienrückkäufe den Aktienkurs. Der Effekt wird dadurch verstärkt, dass viele Anleger auf diesen Zug frühzeitig prozyklisch aufspringen. Die Aktienkurse steigen daher bereits vor den tatsächlichen Rückkäufen durch die Unternehmen.

Gewinne aus der Steuerreform werden zweckentfremdet

Als Grund für die Aktienrückkäufe wiederum ist wohl Trumps Steuerreform zu nennen. Laut den Analysten von FactSet wurden die Gewinnerwartungen für den S&P 500 aufgrund der Steuerreform seit dem 31. Dezember 2017 um 7,0 % angehoben. Einen solchen Anstieg haben die Analysten von FactSet nach eigenen Angaben seit Beginn ihrer Datenerhebung im Jahr 1996 noch nie erlebt. Das ist zunächst sehr positiv zu werten und erklärt die Kursstärke der US-Indizes. Denn die zusätzlichen Steuergewinne werden offenbar zu einem großen Teil in den Rückkauf eigener Aktien investiert.

Problem: Aktienrückkäufe sind Einmaleffekte

Doch damit sind wir beim Problem: Eigentlich sollte die Steuerreform heimische Unternehmen zu Investitionen anregen und so die Wirtschaft weiter ankurbeln. Die vielen Ankündigungen der Aktienrückkäufe zeigen aber, dass die Firmen anders handeln, als Trump sich das vorgestellt hat. Die Unternehmen nutzen die zusätzlichen Gewinne nicht für Investitionen, sondern für Aktienrückkäufe. Diese sind aber nur Einmaleffekte.

Sind die zusätzlichen Gewinne in die Aktien der eigenen Unternehmen geflossen, endet die Wirkung der Rückkäufe. Die Wirtschaft wird dadurch nicht zusätzlich stimuliert und es gibt keine weiteren positiven Auswirkungen auf die Gewinne und damit die Aktienkurse der Unternehmen. Entsprechend fällt ein aktueller Kurstreiber der US-Indizes früher oder später weg. - Auch dies spricht übrigens für ein Auslaufen der Aufwärtstrends in den US-Indizes und einen Übergang in die von mir erwartete Seitwärtsbewegung.

DAX-Unternehmen kaufen weniger eigene Aktien

Der DAX zeigt derweil eine relative Schwäche, weil deutsche Unternehmen nicht so stark von der US-Steuerreform profitieren und (daher) auch wesentlich weniger zu Aktienrückkäufen neigen. Die relative Schwäche könnte daher zwar noch eine Weile anhalten, sollte sich dann aber auflösen, wenn der kurstreibende Effekt durch Aktienrückkäufe in den USA ausgelaufen ist.
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