
Die Grünen-Europaabgeordnete Viola von Cramon-Taubadel, die zu den Unterzeichnern gehört, appellierte zugleich an den VW-Aufsichtsrat, das Projekt zu stoppen. Volkswagen hatte Ende vergangener Woche bestätigt, dass die Verhandlungen über die Investition in der Türkei nahe Izmir kurz vor dem Abschluss stünden. Der VW-Aufsichtsrat hat bereits eine Grundsatzentscheidung für das Werk getroffen, in dem künftig der Passat und der Skoda Superb für den Export nach Osteuropa gebaut werden sollen. Die Investitionssumme liege laut inoffiziellen Informationen bei rund einer Milliarde Euro, berichten die Zeitungen weiter. Auch das benachbarte EU-Land Bulgarien hatte sich um die Ansiedlung bemüht, war bei Fördermittelzusagen aber durch EU-Vorschriften beschränkt. Die EU-Abgeordneten - neben von Cramon-Taubadel auch der Vorsitzende der deutschen CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Daniel Caspary (CDU), der Vorsitzende der Europa-Grünen, Reinhard Bütikofer, und die FDP-Politikerin Svenja Hahn - stützten sich in ihrer Kritik auf Informationen, wonach die türkischen Behörden eine staatliche Beihilfe von 400 Millionen Euro und eine Garantie über den Ankauf von 40.000 Autos jährlich gegeben hätten, um VW von der Investition in der Türkei zu überzeugen. Dabei habe sich die Türkei im Zollunions-Abkommen verpflichtet, die EU-Regeln für staatliche Beihilfen einzuhalten, heißt es in der Anfrage der Abgeordneten an die EU-Kommission. Die Investitionspläne von VW sind aber auch wegen der Menschenrechtssituation in der Türkei umstritten. Volkswagen stärke mit der Standortauswahl "das autokratische Regime von Erdogan" und sende zugleich ein "verheerendes Signal" an den Mitbewerber Bulgarien, sagte von Cramon-Taubadel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "VW scheint aus den letzten Skandalen nichts gelernt zu haben", so die Grünen-Europapolitikerin weiter. Wer angesichts der "aktuellen instabilen und höchst kritischen politischen Situation" in der Türkei meine, sich auf finanzielle Zusagen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verlassen zu können, werde "für das finanzielle Risiko eines solchen Investments möglicherweise noch teuer bezahlen müssen", sagte von Cramon-Taubadel.
Foto: EU-Parlament in Straßburg, über dts Nachrichtenagentur