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Kerosin-Knappheit: Verbraucherschützer warnen vor Insolvenzen


Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt angesichts drohender Kerosin-Knappheit vor Insolvenzen von Fluggesellschaften und Schäden für Verbraucher.

"Wir fürchten, dass mit knappem und teurem Treibstoff vermehrt Insolvenzen von Fluggesellschaften drohen", sagte Ann-Cathrin Beermann, Leiterin des Teams Mobilität und Ressourcenschutz beim VZBV, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgaben). In diesem Fall gebe es für Individualreisende praktisch keinen Schutz. "Sie verlieren das Geld, das sie für die Tickets gezahlt haben, und müssen, falls sie schon am Urlaubsort sind, eigenständig eine Heimreise organisieren", erklärte Beermann. "Rückzahlungen aus der Insolvenzmasse sind selten, das haben wir in der Vergangenheit gesehen. Da entstehen schnell Schäden von mehreren hundert Euro."

Der VZBV fordert deshalb eine Insolvenzabsicherung für Verbraucher in der Fluggastrechteverordnung, "in Form eines Fonds, der auch Individualreisende absichert", sagte Beermann. Außerdem könne die Politik Passagierrechte bei länderübergreifenden Zugreisen stärken - das würde innereuropäische Alternativen zu kurzen Flügen attraktiver machen, sagte die Verbraucherschützerin.

Gegen wegen Kerosinmangels gestrichene Flüge seien Verbraucher dagegen relativ gut abgesichert, sagte Beermann weiter. "Die Tickets werden umgebucht oder der Preis erstattet", sagte sie, "das ist ärgerlich, aber aushaltbar."

Angesichts der drohenden Kerosin-Knappheit in Europa fordern die Grünen eine vorübergehende Beschränkung von Privat- und Inlandsflügen sowie eine Preissenkung beim Deutschlandticket für den Nahverkehr. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Die Lage ist ernst. Kurzfristig sollten Privatflieger im Hangar bleiben. Rettungsflüge, Frachtflüge und internationale Verbindungen sollten Vorrang haben." Kellner ergänzte: "Auch Kurzstreckenflüge innerhalb Deutschlands und Europas sollten die Airlines aussetzen. Das Deutschlandticket sollte verbilligt werden."

Der ehemalige Wirtschaftsstaatssekretär reagierte damit auf eine eindringliche Warnung der Internationalen Energieagentur (IEA) vom Vortag. Deren Chef Fatih Birol hatte gesagt, die Kerosin-Vorräte in Europa reichten vielleicht noch für sechs Wochen. Falls die Straße von Hormus wegen des Iran-Kriegs faktisch weiter gesperrt bleibe und weitere Lieferungen ausblieben, müssten bald Flüge gestrichen werden. Auch die Flughafenbetreiber warnen vor Treibstoffmangel. Die Brüsseler EU-Kommission arbeitet Berichten zufolge an einem Notfallplan.

Grünen-Politiker Kellner sagte nun: "Mittelfristig brauchen wir synthetische Kraftstoffe." Seit einem Jahr entscheide die Bundesregierung nicht über eine grüne Kerosinfabrik in der Lausitz, obwohl Projekt und Geld bereitstünden. "Die Bundesregierung könnte und sollte festlegen, dass sie künftig für ihre Flüge synthetische Kraftstoffe verwendet, um einen Markt dafür weiter voranzubringen."

Foto: Kerosin-Tankstelle (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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