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Bosch-Aufsichtsratschef verteidigt Stellenabbau


Der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Bosch, Stefan Asenkerschbaumer, verteidigt die Entscheidungen des baden-württembergischen Unternehmens in den vergangenen Jahren.

Trotz der aktuellen Krise und des größten Stellenabbauprogramms in der Geschichte von Bosch seien die Investitionen in Elektromobilität, Software und Systeme für automatisiertes Fahren richtig gewesen. "Ist es ein Fehler, wenn eine Zukunft nicht so eintritt wie erwartet, obwohl 99 Prozent der Marktteilnehmer dieselbe Erwartung hatten? So etwas wird es immer wieder geben. Keiner kann von sich behaupten, in den nächsten 100 Jahren alle Zukunftsinvestitionen richtig zu setzen", sagte Asenkerschbaumer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Das ist Unternehmertum, Unsicherheit gehört dazu. Nichts zu tun und abzuwarten, wäre aber auch falsch."

In den vergangenen Jahren hat Bosch den Abbau von fast 28.000 Stellen angekündigt. Vor allem an den deutschen Standorten der Autosparte plant Bosch einschneidende Maßnahmen. Grund sind neben dem stagnierenden Automarkt vor allem der international zurückgehende Dieselanteil und die fehlenden Stückzahlen in der Elektromobilität. Dazu kommen die Probleme des Geschäftsbereichs für Elektrowerkzeuge und der Tochtergesellschaft Bosch-Siemens-Hausgeräte. Die Sparprogramme haben Bosch in den vergangenen beiden Jahren 4,5 Milliarden Euro gekostet.

Auch die Tatsache, dass die deutschen Standorte von dem Sparprogramm besonders betroffen sind, verteidigt Asenkerschbaumer. "Bei uns muss jedes Werk unabhängig vom Standort wettbewerbsfähig sein. Die aktuelle Restrukturierung hat zwar den Fokus Deutschland, aber internationale Standorte sind genauso betroffen", sagte der Aufsichtsratschef weiter. "Es wäre fatal, nur abzuwarten und mit Umsätzen aus dem Ausland das Geschäft im Inland zu stützen. Der Konzern überlebt langfristig nur, wenn alle Standorte profitabel sind."

Asenkerschbaumer wies zudem die Kritik von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern zurück, dass Bosch im Zuge der Krise seine Werte vernachlässige, fair mit den Belangen der Arbeitnehmer umzugehen. "Im Hinblick auf unser Wertegerüst ist es wichtig, dass für Robert Bosch immer das langfristige Überleben des Unternehmens im Mittelpunkt stand. Für dieses Ziel scheute er keine Opfer, denn das Überleben des Unternehmens sichert alles andere", sagte Asenkerschbaumer. "Die Maßgabe war, fair und offen, aber auch konsequent mit Krisen umzugehen. Insofern ist die aktuelle Krise eine Herausforderung, aber wir haben dabei nicht unser Wertegerüst verloren."

Pessimistisch äußerte sich Asenkerschbaumer im Hinblick auf die Bundesregierung und deren Fähigkeit, einen gesellschaftlichen Konsens für Strukturreformen herzustellen und diese dann auch umzusetzen. "Man muss nicht nur Meinungen zusammenführen, sondern vor allem auch zu einer gemeinsamen Diagnose kommen, um daraus dann die notwendigen Maßnahmen abzuleiten. Wir haben in Deutschland aber oft schon die Schwierigkeit, überhaupt zu einer gemeinsamen Diagnose zu kommen. Aber Abwarten und Klagen über die Situation sind keine Option, wir haben eine Verpflichtung, und zwar die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und damit unseren Wohlstand zu sichern", sagte Asenkerschbaumer. "Die Frage ist: Gibt man deswegen auf? Oder macht man weiter? Wir als Wirtschaft müssen den Dialog fortführen. Und wenn wir glauben, dass wir es schon hundertmal gesagt haben, müssen wir es eben zum 101. Mal sagen, wenn immer noch einer kommt, der sagt, er hat es nicht verstanden."

Die Unternehmen entließ er dabei nicht aus der Eigenverantwortung. "Bei der Beurteilung von Marktaussichten ist jedes Unternehmen erst einmal selbst gefordert. Auf der einen Seite darf man keine Entwicklung verpassen. Auf der anderen Seite steigen die Kosten, wenn man zu früh investiert. Die Kunst liegt darin, die unsichere Zukunft über flexible Konzepte abzubilden", erklärte Asenkerschbaumer. "Unternehmen sind letztlich immer selbst verantwortlich, auch wenn die Politik wie im Falle der Elektromobilität die versprochenen Rahmenbedingungen nicht schafft."

Foto: Autoproduktion (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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