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Hitzewelle kostet deutsche Wirtschaft mindestens 6,3 Milliarden Euro


Die zweiwöchige Hitzeperiode Ende Juni kostete die deutsche Wirtschaft mindestens 6,3 Milliarden Euro. Das berichtet das "Handelsblatt" (Freitagausgabe) unter Berufung auf eine Berechnung des Beratungsunternehmens Prognos. Den größten Anteil trug das verarbeitende Gewerbe mit rund 1,9 Milliarden Euro, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Handel.

Die Analyse beziffert erstmals die volkswirtschaftlichen Schäden einer kurzen Hitzeperiode für einzelne Branchen. Nach Angaben von Prognos entstehen 97 Prozent der Schäden durch eine sinkende Produktivität der Beschäftigten, nicht durch Maschinenausfälle oder Lieferkettenprobleme. Prognos-Experte Lukas Sander sagte der Zeitung, die 6,3 Milliarden Euro seien sogar noch eher eine Untergrenze. Weitere Kosten etwa durch höhere Energiepreise seien in der Berechnung noch nicht erfasst.

Der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, Manfred Fischedick, sieht in den Ergebnissen ein Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Man diskutiere intensiv über Wettbewerbsfähigkeit und Konkurrenz aus China, sagte er dem "Handelsblatt". Gleichzeitig verliere man in den Sommermonaten immer häufiger Produktivität durch Hitze. Diese beiden Debatten gehörten zusammen. Deutschland sei auf häufigere Hitzewellen bislang nicht ausreichend vorbereitet.

Experten warnen vor deutlich höheren Schäden in den kommenden Jahren. Bei drei bis vier vergleichbaren Hitzewellen pro Jahr könnten wirtschaftliche Schäden von mehr als 20 Milliarden Euro jährlich entstehen. Die Infrastruktur in Deutschland sei auf solche Temperaturen nicht ausgelegt. Mehrere Unternehmen bestätigten der Zeitung zusätzliche Kosten durch Kühlung, angepasste Arbeitszeiten und Schutzmaßnahmen für Beschäftigte.

Hitzewellen werden durch die menschengemachte Erderwärmung stärker und wahrscheinlicher. Der Effekt wird weiter verstärkt, solange zusätzliche Treibhausgase etwa durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas in die Atmosphäre gebracht werden.

Laut einer Analyse der wissenschaftlichen Initiative World Weather Attribution (WWA) wären die Temperaturen der Hitzewelle Ende Juni 2026 noch im Jahr 1976 "praktisch unmöglich" und auch zu jeder anderen Jahreszeit höchst unwahrscheinlich gewesen. Im Jahr 2003, als die erste große Hitzewelle dieses Jahrhunderts auftrat, wären solche Tageshöchsttemperaturen noch sehr selten gewesen. Nachttemperaturen wie in diesem Juni wären 2003 mehr als hundertmal unwahrscheinlicher gewesen.

Foto: Bauarbeiter auf einer Baustelle (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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