Bofinger will Euro drücken

Wirtschaftsweiser Bofinger fordert Interventionen am Devisenmarkt gegen den starken Euro – EZB soll "klares Wechselkursziel definieren und dieses auch verteidigen“


 Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger fordert geldpolitische Maßnahmen gegen den hohen Wechselkurs des Euro. Nach seiner Ansicht sollte die Europäische Zentralbank (EZB) direkt am Devisenmarkt intervenieren. „Wechselkurse bewegen sich weitgehend losgelöst von makroökonomischen Fakten, deshalb ist es gerechtfertigt, wenn die Notenbanken da eingreifen“, sagt das Mitglied des Sachverständigenrats der „Welt am Sonntag“. „Die EZB sollte sich ein Beispiel an der Schweizer Nationalbank nehmen, ein klares Wechselkursziel definieren und dieses auch verteidigen.“

 

Die Gemeinschaftswährung war in den vergangenen Monaten immer teurer geworden. Auch in dieser Woche kratzte der Euro-Wechselkurs an der 1,40-Dollar-Marke. Besonders in Südeuropa und in Frankreich wird dies zunehmend als Hypothek für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft empfunden. Bofinger bezeichnet den Wechselkurs als „absolut kontraproduktiv“. Die Peripherieländer versuchten mühsam, wieder wettbewerbsfähiger zu werden, indem sie etwa ihre Arbeitskosten senkten, so Bofinger – „aber die Euro-Stärke entwertet das alles wieder".

 

Die Schweizerische Notenbank hatte sich 2011 erfolgreich gegen eine noch extremere Aufwertung des Franken gestemmt. Allerdings musste sie dazu Milliarden an Franken drucken, um damit Euro-Anleihen zu kaufen. Um eine wesentlich größere Währung wie den Euro zu drücken, dürften noch höhere Summen nötig sein. Nach Bofingers Ansicht sollte man davor jedoch nicht zurückschrecken: „Die EZB müsste eben in großem Stil amerikanische Staatsanleihen kaufen – die dafür nötigen Euro-Beträge kosten sie nichts, und auf die US-Anleihen gäbe es sogar noch Zinsen.“ Allerdings räumt der Wirtschaftsweise ein, dass eine entsprechende Intervention nur als abgestimmte Aktion mit anderen Notenbanken Erfolg versprechend sei, um einen Währungskrieg zu vermeiden.

 

Dass ein solches Bündnis zustande käme, gilt unter anderen Experten jedoch als zweifelhaft. Ob der Euro bereits zu teuer geworden ist, ist unter Ökonomen ebenfalls umstritten. „Der aktuelle Euro-Kurs ist hoch, aber historisch keinesfalls außergewöhnlich“, sagt Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ Bank. „Der Euro ist leicht überbewertet, aber nicht in einem Besorgnis erregenden Ausmaß“, lautet auch das Urteil von Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding.

 

Auch die deutsche Exportwirtschaft sieht den Wechselkurs bisher gelassen. Immer wieder werde über eine Schmerzgrenze beim Wechselkurs diskutiert, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA), der Zeitung. „Die Wahrheit ist: Weder bei einem Euro-Dollar-Kurs von 1,30 noch bei 1,35 gingen die Lichter aus. Die deutsche Exportwirtschaft kommt nun auch mit 1,40 Euro zurecht, und selbst bei einem noch teureren Euro bestünde hierzulande kein Grund zur Panik.“

 

Börner lehnt Interventionen der Notenbanken daher ab. „Es wäre der falsche Weg, den Wechselkurs mit Mitteln der Notenbank künstlich zu drücken“, warnt er. „Das würde das Problem nur für ein paar Monate übertünchen.“ Letztlich müssten die betroffenen Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechende Reformen steigern. „Die Euro-Stärke ist positiv für Europa“, glaubt Börner. Sie wirke disziplinierend auf Politik, Firmen und Gewerkschaften: „Deutschland ist nicht zuletzt deshalb erfolgreich geworden, weil eine teure Währung die Wirtschaft immer wieder zwang, noch produktiver und effizienter zu werden.“

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