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Verteidigungsminister verlangt Entschuldigung von Trump


Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) fordert eine Entschuldigung von US-Präsident Donald Trump für dessen Äußerungen zu Afghanistan. In einem für die ARD-Sendung "Caren Miosga" am Sonntag vorab aufgezeichneten Interview sagte Pistorius auf die Frage, ob er es als geboten ansehe, dass der amerikanische Präsident sich für seine Äußerungen entschuldige: "Ja, natürlich wäre es das. Das wäre ein Zeichen von Anstand und Respekt und auch von Einsicht. Aber wir wissen alle, wie der amerikanische Präsident funktioniert."

Beim Einsatz in Afghanistan waren 59 Bundeswehr-Soldaten ums Leben gekommen, etwa 500 Soldaten wurden verletzt, teils schwer. Beim sogenannten Karfreitagsgefecht 2010 in der Provinz Kundus wurden drei Fallschirmjäger getötet und acht Soldaten teils schwer verletzt. "So über die Gefallenen der Verbündeten zu reden, ist einfach unanständig und respektlos. Alle standen da, standen an der Seite der USA. Heute etwas anderes zu behaupten ist schlicht nicht wahr", so Pistorius.

Gleichzeitig betonte der Verteidigungsminister, dass man nicht auf jede Äußerung Trumps reagieren müsse: "Ich finde, damit sollte man es bewenden lassen. Denn ganz ehrlich, wenn wir jede Äußerung, die täglich über verschiedene soziale Medien oder auch Pressekonferenzen kommt, kommentieren würden, hätten wir viel zu tun und keine Zeit mehr, uns um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern."

Auf die Frage, ob er die Äußerungen Trumps gegenüber seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth ansprechen werde, kündigte der Minister an: "Sobald ich ihn sehe - Selbstverständlich."

In der Sendung verteidigte Pistorius die Entsendung von Bundeswehrsoldaten im Rahmen einer Nato-Erkundungsmission nach Grönland: "Wir haben durch unsere Aktionen mit anderen Nato-Partnern wohlgemerkt zusammen unterstrichen, dass wir uns unserer Verantwortung und unserer Pflicht bewusst sind, auch für die Sicherheit der Arktis einzutreten."

Die zeitweilige Androhung von Strafzöllen durch Trump gegen die europäischen Länder, die Soldaten nach Grönland entsandt hatten, und deren überraschende Rücknahme wertete der Bundesverteidigungsminister als Missverständnis auf Seiten der USA. "In der Nato wussten alle Bescheid. Das war abgestimmt unter den Nato-Partnern, dass die Strafzölle die Androhung derselben zurückgenommen worden sind vom amerikanischen Präsidenten, zeigt ja, dass es offenbar ein Missverständnis in Washington gegeben hat. Wie das zustande gekommen sein mag, das will ich mal dahingestellt sein lassen."

Mit Blick auf das transatlantische Verhältnis insgesamt sagte Pistorius, Europa könne sich nicht mehr in gleicher Weise auf die USA verlassen wie in den vergangenen. "Wir können uns nicht auf nichts mehr so verlassen, wie wir es die letzten 70 Jahre tun konnten. Das ist einfach die Realität, vor der wir stehen. Das hat der kanadische Premierminister sehr deutlich gemacht in Davos und auch der Bundeskanzler. Es ist ein Epochenbruch. Die Dinge verändern sich. Darauf müssen wir uns einstellen."

Pistorius verwies zudem auf die laufenden Anstrengungen Europas, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken: "Wir sind auf exzellentem Weg. Die Beschaffung der Bundeswehr läuft hoch, die Aufwuchszahlen sind erfreulich, und gemeinsam mit anderen Nato-Partnern sind wir auf dem Weg, bis 2029 kriegstüchtig zu sein."

Trotz der derzeitigen Spannungen zwischen Europa und den USA zeigte sich der Verteidigungsminister optimistisch mit Blick auf die Bündnisfähigkeit Europas. "Konventionell sind wir (verteidigungsfähig) und wir werden immer besser." Die Nato bleibe zentral, die USA spielten weiterhin eine Schlüsselrolle. An dem Ziel, Deutschland bis 2029 verteidigungsfähig zu machen, halte er fest: "Wir sind auf exzellentem Weg."

Foto: Boris Pistorius (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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