
Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, hat die gestiegenen Heimkosten in der Pflege als "absolutes Alarmzeichen" bezeichnet. Die dramatische Entwicklung setze sich unaufhaltsam fort, sagte Engelmeier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Wer ein Leben lang gearbeitet und sich versichert habe, dürfe am Ende seines Lebens nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein. Das sei unwürdig und ein Skandal.
Engelmeier reagierte damit auf neue Zahlen des Verbands der Ersatzkassen (VDEK). Demnach sind die Kosten für einen Aufenthalt im Pflegeheim binnen eines Jahres erneut deutlich gestiegen. Dem VDEK zufolge liegt die monatliche Eigenbeteiligung seit dem 1. Juli bei durchschnittlich 2.891 Euro. Das seien 296 Euro oder rund elf Prozent mehr als vor einem Jahr. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) arbeitet derzeit an einer großen Pflegereform. Das Gesetz soll noch vor der Kabinettspause im August beschlossen werden. Die Reformpläne sehen unter anderem Einsparungen bei Entlastungszuschlägen vor, die es von der Pflegekasse gibt - und zwar steigend mit der Aufenthaltsdauer. Auch bei Pflegenden und Angehörigen sind Einsparungen geplant, unter anderem bei den Rentenansprüchen.
Die SoVD-Chefin forderte grundsätzlich, auch die hohen Belastungen in der häuslichen Pflege in den Blick zu nehmen. Denn 85 Prozent aller Pflegebedürftigen würden von An- und Zugehörigen versorgt. Bei der häuslichen Pflege zu kürzen und zu streichen wäre fatal. Es müsse jetzt in die Pflege investiert werden. Pflege sei ein allgemeines Lebensrisiko, das kein privates Armutsrisiko sein dürfe, sagte sie. Engelmeier plädiert deshalb für eine "zukunftsfähige Pflegereform, die das gesamte Pflegerisiko solidarisch absichert: Eine Pflege-Bürger-Vollversicherung, die alle Erwerbsformen gleichermaßen einbezieht - auch Beamte und Selbstständige."
Foto: Sozialverband Deutschland (SoVD) (Archiv), via dts Nachrichtenagentur



