Es ist, als ob der Bräutigam nicht zur Hochzeitsfeier käme. Jene, die über Sicherheit diskutieren wollen, stehen mit heruntergelassenen Hosen im Nobelhotel Bayerischer Hof in München und gucken dumm aus der Wäsche.
Von Meinrad Müller
Derjenige, der rund neunzig Prozent der Sicherheit liefern kann, sagt: Ihr könnt mich mal. Man darf sich das ruhig konkret vorstellen. Alles ist vorbereitet. Namensschilder liegen aus, Kameras sind in Stellung, Sicherheitskräfte sichern eine Veranstaltung, deren Kern plötzlich fehlt. Ohne den amerikanischen Vizepräsidenten wirkt das Ganze wie ein Treffen, ohne den wichtigsten Mann. Viel Betrieb, wenig Substanz.
Der Finger in der Wunde 2025
JD Vance, US-Vizepräsident, hat im vergangenen Jahr ausgesprochen, was man in Europa nicht hören wollte. „Wer unsere Werte nicht teilt, kann nicht unser Partner sein.“ Gemeint war nicht Außenpolitik, sondern Innenpolitik. Freiheit endet aus amerikanischer Sicht nicht an der Landesgrenze. Wer Partner der USA sein will, soll sich auch im eigenen Land als freiheitsliebend zeigen.
Dazu gehört die Unterdrückung der Opposition.
Dazu gehört die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, auch dann, wenn sie unbequem ist. Dazu gehört seine Kritik an der Migrationspolitik, die ideologisch betrieben wird. Genau hier liegt der Konflikt. Genau hier hat Vance den Finger in die Wunde gelegt. Und genau deshalb reagierte Berlin gereizt. Friedrich Merz verbat sich Einmischung in innere Angelegenheiten. Damit war eigentlich alles gesagt.
Reden ersetzt keine Partnerschaft
Worüber soll nun in München gesprochen werden, wenn der wichtigste Sicherheitsgeber auf Abstand geht. Man kann jeden Tag eine Sicherheitskonferenz veranstalten, morgens, mittags und abends. Man kann sich gegenseitig versichern, wie wichtig man ist. Es ändert nichts daran, dass Sicherheit nicht durch Konferenzen entsteht, sondern durch Macht.
Wer innenpolitisch Freiheitsrechte einschränkt, Opposition delegitimiert und Migration als moralisches Projekt betreibt, signalisiert, dass er andere Prioritäten hat. Mit solchen Partnern will man in Washington offenkundig nicht mehr automatisch zusammenarbeiten.
Konsequenz statt Wiederholung
Dass Vance diesmal nicht kommt, ist eine Konsequenz. Er will nicht noch einmal erklären, was längst gesagt wurde. Die Europäer können ihre Sicherheitskonferenzen fortsetzen, gern auch täglich. Der Effekt bleibt derselbe. Die Welt draußen richtet sich nicht nach Konferenzkalendern. Sie richtet sich nach Kräften, Interessen und Verlässlichkeit. Wer dort nicht mehr als Partner wahrgenommen wird, bleibt eben außen vor. Und steht am Ende wieder da, geschniegelt, geschniegelt, mit heruntergelassenen Hosen. Und in Grönland ist es kalt. Sehr kalt.
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