„W“ heißt dieses neue soziale Netzwerk. Doch es ist weder sozial noch ein Netzwerk. Es ist ein Anmeldeformular mit Kommentarspalte. Im Februar soll es kommen.
Von Meinrad Müller
Die drei P sagen alles: Personalausweis, Profil, dann posten. Damit man weiß, wen man morgens um sechs besuchen kann. Erst ausweisen, dann jubeln. Wer glaubt, dass so Freiheit entsteht, hat das Internet mit dem Einwohnermeldeamt verwechselt. Für Nutzer, die offen diskutieren wollen, ist das keine Einladung, sondern ein Stadionverweis vor dem Anpfiff. Für Anleger ist es ein Warnsignal, denn Märkte brauchen schnelle, ungefilterte Informationen. W liefert Bürokratie. Und fürstliche Gehälter für die, die in dieser Bürokratie einen gepolsterten Sessel suchen.
EU-Geldverbrennung statt Marktplatz
500 Millionen Euro sollen in dieses Projekt fließen, von unserem Steuergeld. Heraus kommen wird kein Marktplatz der Meinungen, sondern ein Zensur-Gulag. Interne Meldestellen, Prüfteams, Moderatoren. Eine Armada von Aufpassern, die entscheidet, was gepostet werden darf. Für Bürger ist das wertlos. Politik und Wirtschaft reagieren oft in Sekunden. W reagiert nach Freigabe, erst nach Stunden. Wie die papierene Zeitung mit den Nachrichten von gestern. User werden nicht in Scharen davonlaufen. Sie werden gar nicht beitreten. Ursula bleibt allein zu Haus.
Neues Deutschland 2.0
Das Ganze erinnert fatal an die DDR-Staatszeitung „Neues Deutschland“. Dort durfte auch nur erscheinen, was der Führung gefiel. Kritik gab es nicht. W ist die digitale Neuauflage dieses Denkens. Auch hier soll Jubel über Brüssel verbreitet werden. Werte, Haltung, alles grün geschniegelt, alles aalglatt. Die heutigen Nutzer pfeifen darauf. Sie wollen Streit, Widerspruch, Reibung. Kein Hofberichterstattungsportal.
Der Vergleich zu X ist entlarvend.
Elon Musk hat den Quellcode offengelegt – Freeware (frei einsehbarer Programmcode). Keine Geheimnisse. Musk sagt: „On this platform we love criticism“ (Auf dieser Plattform lieben wir Kritik).
Brüssel als Sonne – alle anderen Planeten haben zu folgen
Im Mittelalter glaubte man, die Sonne kreise um die Erde. Dieses Weltbild galt als unumstößlich, bis Nikolaus Kopernikus berechnete, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Für diese Erkenntnis hätte er beinahe mit dem Leben bezahlt.
Heute sind wir wieder so weit. Nur heißt das Zentrum nicht mehr Erde, sondern EU-Brüssel. Alles hat sich darum zu drehen. Abweichung gilt als Irrtum. Kritik als Gefahr. Erkenntnis ist unerwünscht.
W wird kein Gegen-X.
Es ist ein teurer, hilfloser und überflüssiger Versuch, Freiheit mit Formularen zu ersetzen.
Ein Blick auf die Weltkarte zeigt, wo soziale Netzwerke entstanden. Keines kommt aus Europa.
Das liegt nicht an der Ungeschicklichkeit der Programmierer. Schuld sind die Rahmenbedingungen, die das freie Wachsen dieser Plattformen bereits im Keim ersticken. Facebook, Twitter, Linkedin etc. wären bereits bei der Gewerbeanmeldung hängen geblieben.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



