Man sitzt im Kino, es ist 1940. Gleich beginnt der Hauptfilm, davor läuft noch ein kurzer Streifen, mal drei, mal fünf Minuten.
Von Meinrad Müller
Zwei Männer reden miteinander, ganz normal. Einer etwas begriffsstutzig, der andere geschniegelt, überlegen, auf der richtigen Seite stehend. Niemand schreit, niemand droht, kein Verbot, kein erhobener Zeigefinger.
So funktionierte Propaganda im Dritten Reich, wenn sie besonders wirksam sein wollte.
Die beiden kurzen Filme „Tran und Helle“ sowie „Feindbücher“ wurden damals im Vorprogramm deutscher Kinos gezeigt. Heute sind diese Clips über das GermanWWIIArchive zugänglich, ein von amerikanischen Historikern betriebenes Archiv, das Originalmaterial sammelt, um aufzuklären, nicht um zu verherrlichen. Man sieht die Filme unverändert, so wie sie damals liefen.
Was sofort auffällt: In diesen Filmen wird nichts verboten.
Niemand sagt: „Diese ausländischen Bücher darfst du nicht lesen.“ Stattdessen wird der Zweifel vorgeführt. Der Kritiker wirkt einfältig. Wer fremde Bücher liest, erscheint naiv. Wer von Meinungsfreiheit spricht, redet sich um Kopf und Kragen. Am Ende weiß der Zuschauer ganz von selbst, was man besser für sich behält.
Das ist der eigentliche Trick:
Nicht der Staat greift ein – der Bürger erledigt es selbst.
Die Parallele zur Gegenwart drängt sich auf. Auch heute lautet die Botschaft selten: „Das ist verboten.“ Stattdessen heißt es: problematisch, irreführend, gefährlich, Fake News. Besonders deutlich wird das dort, wo die EU offen gegen Elon Musk und die Plattform X vorgeht. Nicht einzelne Meinungen stehen im Zentrum, sondern das Medium an sich.
Damals sprach man von „Feindsendern“ und „Gerüchten“.
Heute spricht man von „Fake News“ und „problematischen Plattformen“.
Der Ton ist höflicher geworden. Das Prinzip ist erstaunlich vertraut.
Wer sich ein eigenes Bild machen will, kann die Kurzfilme ansehen:
Tran und Helle:
https://www.youtube.com/watch?v=q3aBbCspKAo
Feindbücher:
https://www.youtube.com/watch?v=EJv-zqVUGAw
Es reicht, genau zuzusehen. Der Vergleich ergibt sich dann fast von selbst. Als ob man Elon Musk wie damals Winston Churchill ansieht. Oder wie es Historiker gerne formulieren: Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie reimt sich heute besser.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



