Salz auf dem Gehweg ist in Berlin verboten, weil die SPD es so will. Salz auf dem Frühstücksei ist weiterhin erlaubt, wer weiß wie lange noch. Damit weiß jeder sofort, wo die Schwerpunkte liegen.
Von Meinrad Müller
Ganz Berlin eine lebensgefährliche Rutschbahn, bis zu 40 Knochenbrüche am Tag, Krankenhäuser überlastet
In Berlin auf die schiefe Bahn zu kommen, das geht schnell. Doch dass das jeden treffen kann, auch jene die unbenebelt zum Einkaufen gehen, das ist so gewollt. Von denen da oben. Es gibt einfach zu viele Alte. Und warum nicht eine naturgegebene Selektion wirken lassen mithilfe der Schwerkraft und gefrorenen Wassers? Berlin ist nicht auf sieben Hügeln erbaut wie Rom, die Erde ist in Berlin flach, so fach wie die Witze aus der Regierung. Auf die Berliner Schnauze zu fallen, das gelingt in diesem Jahr vor der Haustür. Während auf dem Land jeder Hausbesitzer verdonnert wird, seine 200 Meter vor dem Haus zu räume und zu streuen, ist das in Berlin egaler als egal.
Und gerade in diesem Winter hat sich Berlin wieder in eine gefährliche Eisfläche verwandelt. Blitzeis legt sich über die Gehwege, über Kreuzungen und Hauseingänge. Wer morgens aus dem Haus tritt, weiß nicht, ob er abends wieder normal nach Hause kommt, egal ob er kein oder fünf Bierchen auf der Parkbank genoss. Die Folgen sieht man in den meist städtischen Krankenhäusern. Hunderte Oberschenkelhalsbrüche pro Woche sind keine Ausnahme. Für Ärzte ist das Alltag. Für die Betroffenen ist es oft ein Einschnitt fürs ganze Leben, besonders für ältere Menschen.
Ein Sturz ist kein kleiner Unfall
Ein Ausrutscher endet nicht nur mit einem blauen Fleck. Wer fällt, liegt oft monatelang flach, braucht Hilfe, verliert Sicherheit und Selbstvertrauen. Viele gehen danach kaum noch vor die Tür. Trotzdem bleibt das Streuen mit Salz auf Gehwegen verboten. Stattdessen stellt die Stadt kleine bunte Warnschilder auf. So ähnlich wie „Waffenverbotszone“. Doch was einen umhauen kann, lässt die Stadt auf dem Gehweg: das Eis. Diese Plastikschildchen schützen niemanden. Die Verantwortung wird an die Fußgänger weitergereicht.
Blitzeis auf politische Sturheit
Niemand verlangt, dass ganz Berlin weiß gepudert wird. Andere Städte erlauben das längst. In Berlin wird darüber diskutiert. Die Verkehrssenatorin will handeln, aber die SPD schweigt, vertagt und sagt nicht klar, ob sie den Menschen helfen will oder nicht.
Wer fällt, fällt eben
So entsteht der Eindruck, dass Stürze alter Menschen zwar bedauerlich sind, aber hingenommen werden. Wer rausgeht, hat Pech. Wer fällt, verschwindet aus dem Straßenbild. Wer schwer stürzt, stirbt oft früher. Das spart Geld beim Sozialamt. Niemand sagt das offen. Auf den Berliner Gehwegen kann man diese Rechnung trotzdem Woche für Woche beobachten.
Berlin hat kein Problem mit dem Wetter. Eis gehört zum Winter.
Die SPD hat ein Problem mit dem Denken.
Und mit dem Denken hatte die SPD schon immer Pech.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



