Sie kennen diesen Schlager von Reinhard Mey. Es sind immer wieder diese Gärtner, die auf Zugbegleiter einschlagen, einer starb an seinen Verletzungen heute.
Von Meinrad Müller
Doch der Täter bleibt namenlos, ohne Gesicht, ohne jede Beschreibung. Er sei „ein Mann“ oder eine Frau, die sich als Mann fühlt. Oder beim Bürgeramt das Geschlecht ändern lies. Mehr erfährt man nicht, obwohl viele Zeugen den Vorfall erlebten. Diese Ein-Mann-Geschichten kennt inzwischen jeder. Hieße der Gärtner Manfred oder Jürgen, würden wir es sofort erfahren. Das macht uns stutzig, mehr als stutzig. Genüsslich würde die Presse über einen deutschen Täter schreiben, um die Ehre aller Nichtdeutschen retten zu wollen. Das ist schäbig.
Fahrgast ohne Fahrkarte prügelt Schaffner tot
Der Bahnschaffner ist heute im Krankenhaus verstorben. Am Montagabend kontrollierte ein Zugbegleiter in einem Regionalexpress die Fahrkarten. Ein 26-jähriger Fahrgast hatte keinen Fahrschein und sollte den Zug verlassen. Dazu kam es nicht, denn der „Mann“ griff den Zugbegleiter an und schlug mit solcher Gewalt zu, dass der Bahnmitarbeiter zusammenbrach und wiederbelebt werden musste. Die Ärzte im Krankenhaus ringen um sein Leben. Fahrgäste halfen, Polizei und Rettungskräfte übernahmen. Gegen den Angreifer wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Das ist alles, was in Deutschland bekannt sein darf.
Danach wird es still. Kein Name, kein Beruf, keine Herkunft. Diese Lücke in Polizeiberichten sind wir längst ja gewöhnt. Der Täter bleibt unter dem Deckmantel. Genau das verunsichert Menschen. Denn wenn nichts erklärt wird, bleibt nur die Angst, dass so etwas jederzeit wieder passieren kann. Wären aus dem Zirkus drei Tiger entlaufen und streiften durch die Straßen, hörten wir nach dem Wetterbericht im Radio, dass vor Tieren mit Fell gewarnt wird, was auch Katzen oder Esel sein könnten.
Genauso verschleiernd ist immer wieder diese lächerliche „ein Mann“-Story. Und der Gärtner ist ja auch irgendwie naheliegend. Der Gärtner steht für einen Beruf, der mit Werkzeugen arbeitet. Mit Messern, Scheren und Sägen. Ein Beruf, der Kraft verlangt und Zupacken gewohnt ist. Wer gelernt hat die Axt zu schwingen, weiß auch, wie man seine Kraft bei der Fahrkartenkontrolle einsetzt: brutal und lebensgefährend.
Natürlich hätte der Täter genauso gut Automechaniker sein können oder Zimmermann oder Bäcker. Genau darin liegt das Problem. Die Bevölkerung wird im Unklaren gelassen, denkt sich aber ihren Teil. Die Menschen sollen aufmerksam sein, wissen aber nicht, worauf. Sie sollen sich schützen, wissen aber nicht, wovor. Das verunsichert, macht wütend und hinterlässt das Gefühl, dass Wesentliches verschwiegen wird. Und doch wissen alle Bescheid. Das was nicht gesagt wird, spricht lauter als laut. Am Ende steht also wieder der Gärtner, der berüchtigte „Ein-Mann“. Die Frage bleibt offen, und sie wird immer drängender: Woher kommen die Gefahren, von Gärtnem, von Mechanikern oder von Bäckern?
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