Trump tobt. Die Waffenruhe läuft in Stunden ab. US-Vize JD Vance ist nach Islamabad (Pakistan) geflogen – doch Iran hat nicht zugesagt, führt die USA an der Nase herum. Peinlicher geht es kaum. Golfregion am Abgrund.
Von Peter Härtels
Mitternacht. Genau dann, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, läuft die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ab. Und die Lage könnte kaum brenzliger sein: Die amerikanische Delegation – angeführt von Vizepräsident JD Vance, flankiert von Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner – ist bereits in Islamabad eingetroffen. Pakistans Hauptstadt wurde zur Kulisse eines diplomatischen Schauspiels, dessen zweiter Akt noch nicht einmal sicher beginnen wird.
Denn der eigentliche Gesprächspartner fehlt. Der Iran hat die Verhandlungsrunde nach eigenen Angaben abgesagt. Außenamtssprecher Ismail Baghai erklärte kühl in Teheran: Eine weitere Runde sei „aktuell nicht geplant." Während Pakistans Sicherheitskräfte Straßensperren errichten, Hotels evakuieren und Universitäten auf Onlinebetrieb umstellen – bereitet sich Islamabad auf Gäste vor, die vielleicht niemals zusammentreffen werden.
Das Déjà-vu der leeren Stühle
Es ist schwer, das Bild nicht peinlich zu finden: Die mächtigste Nation der Welt schickt ihren Vizepräsidenten, einen Sondergesandten und den Schwiegersohn des Präsidenten nach Pakistan – und sitzt dort allein am Tisch. Man setzt die Sicherheitslage einer Millionenstadt außer Kraft, evakuiert Hotels, riegelt Straßen ab. Für ein Treffen, das der Gegenüber nicht zugesagt hat.
Das ist kein Zeichen von Stärke. Das ist das Bild einer Supermacht, die verzweifelt nach einer diplomatischen Kulisse sucht, die ihre Kriegspolitik legitimiert – während Teheran demonstrativ die Bestätigung verweigert.
Trumps Drohkulisse: Glaubwürdig oder Bluff?
US-Präsident Donald Trump hat unmissverständlich klargemacht, was er unter dem Scheitern der Diplomatie versteht: harte Konsequenzen. Eine Verlängerung der Waffenruhe bezeichnete er öffentlich als „höchst unwahrscheinlich". Die Seeblockade iranischer Häfen – bereits aktiv – werde den Iran „völlig zerstören", twitterte er. „Sie verlieren 500 Millionen Dollar pro Tag", fuhr er fort. Das Kalkül ist klar: maximaler wirtschaftlicher Druck, um Teheran an den Tisch zu zwingen.
Doch der Iran zeigt sich von dieser Rechnung bisher wenig beeindruckt. Stattdessen wirft Teheran Washington „bewaffnete Seepiraterie" vor, nachdem ein iranisches Frachtschiff im Arabischen Meer attackiert wurde. Das Militär ließ verlauten, man werde „bald reagieren."
Die Straße von Hormus: Der Druckpunkt der Weltwirtschaft
Was auf dem Spiel steht, geht weit über die Konfliktparteien hinaus. Durch die Straße von Hormus fließt rund ein Viertel bis ein Drittel des weltweiten Öltransports. Der Krieg – nun in seiner siebten Woche – hat die Märkte bereits erschüttert. Mehr als 3.000 Todesopfer im Iran, über 2.000 im Libanon, dreizehn gefallene US-Soldaten. Die Blockade trifft Schiffe aller Nationen, die iranische Häfen anlaufen. China hat bereits protestiert.
UN-Generalsekretär António Guterres hält eine Wiederaufnahme der Gespräche für „sehr wahrscheinlich" – und betont, es gebe „keine militärische Lösung" für diese Krise. Bundeskanzler Friedrich Merz sah nach den jüngsten Entwicklungen immerhin „einen Hoffnungsschimmer".
Zögern als Strategie – oder als Zeichen der Schwäche?
Die zögerliche Haltung des Irans bei den Friedensgesprächen ist kein Zufall. Teheran kalkuliert: Wer zuerst einlenkt, verliert Gesicht im Innern. Präsident Massud Peseschkian steht unter enormem Druck der Hardliner. Jedes öffentliche Eingeständnis, mit den USA zu verhandeln, ist politisch riskant – besonders während einer aktiven Seeblockade, die das Land wirtschaftlich stranguliert.
Gleichzeitig weiß Teheran: Eine Ablehnung der Gespräche gibt Trump genau die Rechtfertigung, die er für weitere Eskalation braucht. Es ist ein Dilemma ohne elegante Lösung – und die Uhr tickt bis Mitternacht.
Die Frage, die sich stellt: Ist das Fernbleiben des Irans taktisches Zögern vor einer doch noch erfolgenden Einigung – oder das stille Einläuten einer neuen Eskalationsstufe? Islamabad wartet. Und mit ihm die ganze Welt.



