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SPD, Grüne und Linke: raus aus X

Am 4. Mai 2026 gaben SPD, Grüne und Linke fast gleichzeitig bekannt, dass sie ihre offiziellen Partei- und Fraktionsaccounts auf X nicht mehr bespielen wollen.

Von Meinrad Müller

X.com hat in Deutschland nach aktuellen Schätzungen rund 5 Millionen tägliche Nutzer. Informationen treffen hier schnellster ein und geraten sofort in den Fleischwolf von Hunderttausenden Kommentatoren.

Früher hieß X noch Twitter, heute ist es das größte politische Fußballstadion der Welt. Die linken Gegner treten also gar nicht mehr an. Aus Angst, von den Fans ausgepfiffen zu werden und zu verlieren. Wer nicht aufläuft, kassiert zwar kein Gegentor, aber er gewinnt eben auch kein Spiel.

Was ist das für eine jämmerliche Liga?

Anstatt zu zeigen, was man auf dem Platz kann, bleibt man gleich in der Kabine. SPD, Grüne und Linke kommen nicht mehr aufs Feld. Sie wollen lieber auf der Wiese hinter den eigenen Parteizentralen spielen, dort, wo nur noch die eigenen Fans am Zaun stehen und brav klatschen. Doch soll das ein fairer Wettbewerb sein?

Wer öffentlich kegelt, der muss nachzählen lassen

Dieses alte Sprichwort beschreibt die Lage ziemlich genau. X ist die große Kegelbahn der Öffentlichkeit. Millionen Zuschauer sehen sofort, ob alle Neune gefallen sind oder nur zwei. Wenn die Kugel in die Rinne läuft, wird gebuht. Nicht heimlich, nicht leise, sondern vor aller Augen.

Genau das erträgt das linke Lager immer schlechter. Früher konnte man die eigene Kugel werfen und hinterher selbst erklären, warum angeblich alle Kegel gefallen seien. Heute zählt das Publikum mit. Jeder sieht den Wurf. Jeder sieht die Rinne. Jeder darf sagen, was er gesehen hat. Das nennt man Öffentlichkeit. Bei X ist das selbstverständlich. Heute wirkt es auf die Linke offenbar wie eine Zumutung mit Internetanschluss.

Feigheit vor dem Gegner

Lange war die Sache bequem. Man pfiff selbst an, erklärte selbst die Regeln und schrieb hinterher auch noch den Spielbericht. Die Mainstreammedien machten mit. Wer widersprach, bekam schnell ein Etikett umgehängt. Fertig war die Laube.

Auf X funktioniert diese alte Ordnung nicht mehr zuverlässig. Dort sitzt kein bezahter Redakteur am Tor, der unbequeme Zwischenrufe vorher aussortiert. Dort quatschen Bürger ungefiltert dazwischen. Sie fragen nach Zahlen, sie holen alte Aussagen hervor. Sie stellen alte Screenshots neben neue Politwerbung. Und plötzlich merkt man: Der Ball war gar nicht im Tor, obwohl der Stadionsprecher schon dreimal „Tor“ gerufen hat.

Das ist für SPD/Grüne/Linke schwer zu ertragen, die sich an warmes Licht aus den eigenen Reihen gewöhnt haben. Dort draußen wartet kein höflicher Parteitag. Dort wartet das Publikum. Mit Augen, Ohren, Gedächtnis und manchmal einer Zunge wie eine rostige Feile.

Der Spott kommt in Tankerladungen

Politik ist öffentlich und Politik muss Kritik aushalten. Tut sie das nicht, verlässt sie genau den Raum, in dem „Unsere Demokratie“ angeblich verteidigt werden soll. Das ist der eigentliche Witz. Man ruft ständig „Unsere Demokratie“, doch sobald die Bürger zu laut antworten, zieht man sich beleidigt zurück.

Der Spott auf X über diesen Rückzug kann inzwischen nur noch in Tankerladungen gemessen werden. Und jeder Liter davon wurde selbst bestellt. Wer auf den Marktplatz geht, darf sich nicht wundern, wenn dort nicht nur die eigene Blaskapelle spielt. Dort stehen auch Leute mit Trillerpfeifen.

Die Linke verlässt das größte Stadion der Welt

Warum? Weil ihr die Zuschauer nicht mehr gefallen. Doch das Spiel geht weiter. Die Kugeln rollen weiter. Die linken Kegler haben beschlossen, ihre Kugel einzupacken und nach Hause zu trotten. Dort können sie dann in Ruhe zählen, wie oft sie unter sich gewonnen haben.

Vielleicht hängen sie sich am Ende noch eine Medaille um. Für den mutigen Rückzug. Für den tapferen Abschied vom Widerspruch. Für den großen Sieg im eigenen Vereinsheim. Nur eines sollte man ihnen nicht mehr abnehmen: dass sie die offene Debatte lieben.

Wer das Stadion verlässt, weil gepfiffen wird, hat nicht die Demokratie verteidigt.

Er ist vor der Demokratie geflüchtet.

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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