Der Schweizer Roger Köppel liest der deutschen Politik die Leviten. Hier nun Teil zwei seiner Wutrede. Im aktuellen Video zerlegt er Argument für Argument die verheerenden Zustände in Berlin.
Von Meinrad Müller
Der Hochmut der Herrschafts-Architekten
Ein weiteres Kernproblem der Berliner Politik sieht Roger Köppel in der schleichenden Demontage der demokratischen Grundfesten. Die gewählten Mandatsträger haben in seinen Augen vergessen, wer sie eigentlich sind: bloße Angestellte des Bevölkerungssouveräns. Stattdessen agieren sie mit einer fast schon bewundernswerten, aber tief erschreckenden Überheblichkeit. „Je erfolgloser sie regieren, desto arroganter werden sie“, stellt Köppel fest. Sie glänzen in geschliffener Rhetorik, mit Manschettenknöpfen und Maßanzügen, während sie gleichzeitig die Lebenswirklichkeit der Menschen wie eine Panzerkolonne niederwalzen.
Besonders scharf kritisiert er die Einführung moderner Gesetze, die er als „Majestätsbeleidigungsparagraphen“ brandmarkt. Es sei ein unhaltbarer Zustand, wenn ohnmächtige Bürger, die nur alle vier Jahre ein Kreuz machen dürfen, vor den Richter geschleppt werden, sobald sie den Herrschenden rhetorisch überschießend die Meinung sagen. Damit werde die Monarchie klammheimlich durch die Hintertür wieder eingeführt.
Die geistige Brandmauer und historische Parallelen
Deutschland hat sich laut Köppel im Denken eine mentale „Brandmauer“ errichtet, die wie ein neues religiöses Statussymbol gepflegt wird. Das fatale Resultat: Man spricht überhaupt nur noch mit Gleichgesinnten. Aus diesem kollektiven Selbstgespräch erwächst eine zutiefst einseitige, irrsinnige Politik. Der Schweizer warnt eindringlich vor den historischen Parallelen, die in Deutschland so gerne als populistisch abgetan werden. Doch die Geschichte zeigt: Wenn alle im Gleichschritt marschieren und jede Gegenrede im Keim erstickt wird, rennen am Ende alle blindlings in denselben Abgrund.
Wohlstandsvollnarkose und geopolitische Blindheit
Während die deutsche Wirtschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg wie ein Wunder aufgebaut wurde, systematisch in Grund und Boden gewirtschaftet wird, verharrt das Land in einer „Wohlstandsvollnarkose“. Man jammert über minimale Kürzungen beim Bürgergeld, während man die existenzielle Leidensfähigkeit anderer Nationen – wie der Russen – völlig unterschätzt.
Gleichzeitig erweist sich Berlin als geopolitischer Geisterfahrer. Olaf Scholz kritisiert diplomatische Kanäle zu Moskau, nur um sich selbst aus purem Narzissmus in den Mittelpunkt zu drängen, obwohl man ihn dort gar nicht als Partner will. Die größte strategische Dummheit der europäischen Elite bleibt es jedoch, Russland und China direkt in die Arme zu treiben. Ein rohstoffarmer Kontinent hängt sich damit wirtschaftlich komplett ab und hält am Ende nur noch eine einzige Ressource im Überfluss bereit: eine unkontrollierte, oft kriminelle Zuwanderung, die im Land für Angst und Schrecken sorgt.
Wer profitiert? China ist der lachende Dritte
Während sich Berlin in moralischer Selbstermächtigung verliert und Waffen sowie Geld in die Ukraine fließt, das man eigentlich gar nicht hat, zeigt Köppel auf, wer die wahren Gewinner dieses globalen Theaters sind: die Chinesen. Rund 70 Prozent der Komponenten in den ukrainischen und russischen Drohnen stammen aus China. Deutschland merkt in seiner moralischen Trance nicht einmal, wie es sich selbst ins Visier rückt und die europäische Substanz für ein absurdes Polit-Theater opfert, dessen Fäden ganz woanders gezogen werden.
Die gute Nachricht bleibt für Köppel, dass die Deutschen in der Geschichte oft erst am absoluten Nullpunkt die Kräfte für einen echten Wiederaufbau freigesetzt haben. Doch dass die Politik es wieder so weit kommen lässt, ist die eigentliche Tragödie der Gegenwart.
Meinrad Müller Blog: www.info333.de/p



