Der Sommer 1914 war so mild und so kurz. Zu kurz. Die Menschen saßen in den Cafés, die Schwimmbäder waren voll. Doch am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg, nur Tage später folgte die Generalmobilmachung in Deutschland.
Von Meinrad Müller
Männer zwischen 18 und 45 Jahren wurden in Uniformen gesteckt und in Zügen an die Front geschickt. Wenige Wochen zuvor saßen sie noch sorglos in den Kaffeehäusern und glaubten, der Frieden sei selbstverständlich.
Stefan Zweig hat diesen Sommer in seinem Buch „Die Welt von Gestern“ als einen der schönsten seines Lebens beschrieben. Er zeigte mit welcher erschreckenden Blindheit die Menschen in den Abgrund schlitterten. Die Menschen sahen die Gefahr nicht, obwohl sie bereits greifbar war. Sie wollten das Unvorstellbare nicht sehen.
Die schöne Fassade von 2026
Heute, im Sommer 2026, fühlt es sich ähnlich an. Die Freibäder sind überfüllt, die Terrassen voll, die Eismaschinen laufen heiß. Die Menschen genießen das Badewetter, das kühle Bier in den Biergärten und die Urlaubsstimmung. Man scrollt kurz durch die Nachrichten, schüttelt den Kopf und denkt: „Wird schon nicht so schlimm werden.“
Soldatenstiefel auf dem Pflaster
Währenddessen rollen weiter Züge mit Waffen Richtung Ukraine. Milliarden fließen, Schuldenberge wachsen, und das eigene Volk soll später die Rechnung bezahlen. Die meisten spüren die Stiefel schon fast auf dem Pflaster, doch viele wollen es nicht wahrhaben. Genau wie 1914 will das Volk keinen Krieg. Es hat nie einen gewollt.
Die gefährliche Verdrängung
Stefan Zweig warnte später eindringlich vor dieser kollektiven Blindheit. Die Menschen verdrängen, was hinter dem Horizont lauert. Sie blenden die dunklen Wolken aus, setzen die ebenfalls dunkle Sonnenbrille auf und hoffen, dass es schon gut geht. Andere Mächte drehen jedoch weiter an den Schrauben. Energie, Rohstoffe, Bündnisse, alles wird zur Waffe. Und plötzlich kann es sehr schnell sehr warm werden, wenn glühende Kugeln fliegen.
Kippt der Sommer 2026?
Noch klirren die Eiswürfel beruhigend im Glas. Noch ist der Sommer angenehm. Aber die Geschichte fragt selten die Mehrheit in „unserer Demokratie“, wann die Einberufung terminlich angenehm wäre. Sie nimmt keine Rücksicht auf Grillabende und Urlaubslaune. Keine Rücksicht auf Familien, die ihren Vater nie wieder lebendig sehen werden.
Wer heute die Augen verschließt, darf sich morgen nicht wundern, wenn der schöne Sommer 2026 genauso abrupt endet wie jener von 1914.
Meinrad Müller Blog: www.info333.de/p



