Während in Deutschland Fabriken schließen, laufen amerikanische Rüstungswerke auf Hochtouren. Europa bestellt Waffen für 300 Milliarden Dollar und sichert damit gut bezahlte Arbeitsplätze in den USA.
Von Meinrad Müller
Der Gewinner steht fest: die USA
„Einer wird gewinnen“, so hieß früher eine beliebte Fernsehsendung. Heute steht der Gewinner noch eindeutiger fest: die USA. Weil Europa aufrüstet und gewaltige Summen ausgibt, füllen sich in Amerika die Auftragsbücher.
Dort werden Fachkräfte eingestellt. Schweißer, Techniker, Ingenieure und Elektroniker erhalten sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze. Ihre Familien können planen, Häuser werden gekauft, Kinder besuchen gute Schulen und später vielleicht eine Universität. Finanziert wird dieser amerikanische Aufschwung von Europa. Wir hingegen haben ja die Grundsicherung.
Rutte bringt frohe Kunde aus Europa
NATO-Generalsekretär Mark Rutte kann in Washington eine erfreuliche Botschaft verkünden. Europa und Kanada haben bei amerikanischen Unternehmen Waffen im Wert von rund 300 Milliarden Dollar bestellt. Nach Ruttes Angaben sichern diese Aufträge fast 200.000 Arbeitsplätze in der amerikanischen Rüstungsindustrie. Besonders grotesk ist, dass er sich über die Jobs in der US-Industrie freut.
Erst zündeln, dann Waffen verkaufen
Die USA beherrschen ein Geschäftsmodell, um das man sie beinahe beneiden muss. Sie mischen in fast jedem größeren Konflikt mit. Anschließend erklären sie ihren Verbündeten, wie gefährlich die Welt geworden ist. Zum Glück steht die passende Ware bereits bereit. Kampfflugzeuge, Raketen, Flugabwehrsysteme und Munition können bei amerikanischen Herstellern bestellt werden. Europa überweist, Amerika liefert.
Deutschland kauft unter anderem 35 Kampfflugzeuge vom Typ F-35. Hinzu kommen schwere Transporthubschrauber, Seefernaufklärer, Patriot-Systeme und amerikanische Raketen. Die großen Aufträge landen bei Unternehmen wie Lockheed Martin, Boeing und RTX. Auch Tausende Zulieferbetriebe profitieren. Sie liefern Metallteile, Elektronik, Triebwerke, Rechner und Munition.
So kann man Außen- und Wirtschaftspolitik betreiben. Erst wird die Lage ausreichend bedrohlich. Danach klingelt es an der Ladenkasse.
Amerika produziert, Europa überweist
In den Vereinigten Staaten bleiben dadurch die Werkshallen geöffnet. Facharbeiter erhalten Lohn und Brot. Junge Menschen können technische Berufe erlernen. Ganze Regionen profitieren von den Bestellungen aus Europa. In Deutschland kämpft die Industrie mit hohen Energiepreisen, Steuern und immer neuen Vorschriften. Werke werden verkleinert. Arbeitsplätze verschwinden. Gut ausgebildete Fachkräfte erhalten Abfindungen statt neuer Aufträge.
Auch das konservative amerikanische Nachrichtenmagazin Washington Examiner jubelte bereits über Ruttes Versprechen von 195.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in der US-Rüstungsindustrie.
Die deutschen Steuerzahler schaffen Jobs - in USA.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p




