Huthi-Rebellen haben erstmals saudische Öltanker mit Raketen und Drohnen angegriffen. Ein Tanker geriet in Brand. Der Ölpreis sprang sofort um fast fünf Prozent. Nun stehen zwei Ölstraßen unter Feuer.

Von Meinrad Müller
Rakete setzt saudischen Tanker in Brand
Jetzt brennt es auch im Roten Meer. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben zwei saudische Öltanker mit Raketen und Drohnen angegriffen. Ein Geschoss traf die „Encelia“ vor der saudischen Küste. Am Bug des Tankers brach Feuer aus. Die Besatzung setzte einen Notruf ab und kämpfte gegen die Flammen. Auch Öl soll nicht ausgelaufen sein.
Die Huthis erklärten, sie hätten außerdem den riesigen Rohöltanker „Layla“ angegriffen. Dabei seien ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen eingesetzt worden. Die Huthis haben gezeigt, dass ihre Raketen beladene Öltanker vor der saudischen Küste erreichen können. Sie drohen nicht mehr nur, sie schießen scharf.
Der Ölpreis klettert um 4,86 Prozent auf 98,64 Dollar
Kaum wurde der Angriff bekannt, schoss auch der Ölpreis nach oben. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 4,86 Prozent auf 98,64 Dollar je Barrel. Zeitweise näherte sich der Preis der Marke von 100 Dollar. Die Rakete traf den Bug der „Encelia“. Ihre Druckwelle erreichte noch am selben Tag die internationalen Rohstoffmärkte. Auch der amerikanische Ölpreis zog kräftig an.
Saudi-Arabiens Notausgang steht unter Feuer
Nun wird auch dieser Weg angegriffen. Im Osten kontrolliert der Iran die Straße von Hormus. Im Westen bedrohen seine Verbündeten die Ausfahrt aus dem Roten Meer. Damit geraten zwei Schlagadern der Weltwirtschaft gleichzeitig unter Druck. Wer beide Wege bedroht, greift nicht nur Saudi-Arabien an. Er legt die Hand an die Zapfsäule der Welt.
Beladene Tanker drehen auf dem Meer um
Die Wirkung ist bereits sichtbar. Fünf Tanker änderten ihren Kurs. Drei mit saudischem Öl beladene Schiffe brachen ihre Fahrt nach China und Indien ab. Sie drehten im Roten Meer um und nahmen wieder Kurs auf den Suezkanal. Die Kapitäne standen vor einer einfachen Rechnung. Weiterfahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab bedeutet Raketenrisiko. Umkehr bedeutet Zeitverlust und hohe Kosten.
Aus 20 Tagen werden bis zu 50
Kleinere Tanker können durch den Suezkanal ins Mittelmeer fahren. Danach müssen sie durch die Straße von Gibraltar, an Afrikas Westküste entlang, um das Kap der Guten Hoffnung und anschließend wieder nach Osten in Richtung Asien. Voll beladene Supertanker sind für den Suezkanal häufig zu tief. Sie müssen einen Teil ihrer Ladung abgeben oder das Öl auf kleinere Schiffe umladen.
Der direkte Weg vom Roten Meer nach Asien dauert ungefähr 20 Tage. Die Fluchtroute kann bis zu 50 Tage beanspruchen.
Die Rakete landet an unserer Tankstelle
Jeder zusätzliche Tag auf See kostet Geld. Die Schiffe verbrauchen Treibstoff. Die Mannschaften bleiben länger an Bord. Versicherer verlangen höhere Aufschläge für Fahrten durch Kriegsgebiete. Diese Kosten bleiben nicht im Maschinenraum. Sie werden auf den Ölpreis geschlagen. Danach verteuern sich Diesel, Heizöl, Transporte, Kunststoffe und Lebensmittel.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p




