Der CSD wird als Fest der Toleranz verkauft. Doch wer bewusst Menschen mit völlig verschiedenen Religionen und Moralvorstellungen zusammenführt, darf nicht überrascht sein, wenn aus der bunten Vielfalt ein harter tödlicher Kulturkonflikt wird.
Von Meinrad Müller
Der CSD ist für Gläubige eine Provokation
Für einen Muslim ist der CSD keine harmlose Parade. Dort wird öffentlich gefeiert, was seine Religion als schwere Sünde und als Verstoß gegen die göttliche Ordnung verurteilt. Knapp bekleidete oder nackte Körper und kopulationsähnliche Bewegungen wirken auf ihn nicht befreiend, sondern provozierend.
Diese Provokation findet nicht in einem abgeschlossenen Saal statt. Sie zieht durch öffentliche Straßen. Anwohner und Passanten können ihr kaum ausweichen. Wer dort wohnt, arbeitet oder zufällig vorbeikommt, wird zum Zuschauer einer Veranstaltung gemacht, deren Bilder seinen religiösen und sittlichen Vorstellungen grob widersprechen.
Das gilt nicht nur für Muslime. Auch viele Christen, Konservative und Familien empfinden solche Bilder als Zumutung. Man muss nicht prüde sein, um zwischen dem Recht auf ein privates Liebesleben und der öffentlichen Zurschaustellung sexueller Handlungen zu unterscheiden.
Wer Vielfalt predigt, muss auch unterschiedliche Moralvorstellungen ernst nehmen. Toleranz bedeutet, andere Lebensweisen auszuhalten. Sie bedeutet nicht, jede Provokation beklatschen zu müssen.
Nichts davon entschuldigt einen Täter
Wer mit einem Auto in eine Menschenmenge fährt, will nicht nur verletzen und töten. Er will Rache nehmen für etwas, das er als Angriff auf seinen Glauben und seine Moralvorstellungen empfindet. Doch wer deshalb Menschen verletzt oder tötet, ist kein Verteidiger seines Glaubens. Er ist ein Verbrecher. Mord bleibt Mord. Keine Religion und keine verletzte Moralvorstellung geben einem Menschen das Recht, ein Fahrzeug zum Racheschwert zu machen.
Gerade deshalb muss man über die Ursachen sprechen. Politische Korrektheit schützt keine Menschen. Sie verhindert nur, dass Gefahren rechtzeitig beim Namen genannt werden.
Vielfalt besteht nicht allein aus Falafel, Folklore und bunten Fahnen. Sie bringt auch Gegensätze mit sich. Manche davon sind so tief, dass sie sich nicht mit einem Toleranzplakat überkleben lassen.
Darüber spricht Berlin ungern. Lieber wird Vielfalt gefeiert, bis ihre Widersprüche Blut kosten.
Die Linke hat den CSD längst übernommen
Der ursprüngliche Christopher Street Day kämpfte für ein klares Ziel. Homosexuelle sollten nicht verfolgt, bestraft oder aus dem öffentlichen Leben gedrängt werden. Dieser Kampf war notwendig.
Inzwischen hat die linke Szene den CSD vielerorts übernommen. Aus einer Demonstration für Bürgerrechte wurde ein politischer Jahrmarkt gegen alles, was konservativ ist. Parteien, Konzerne und Behörden hängen sich die Regenbogenfahne um, als sei sie das Gütesiegel des besseren Menschen.
Wer nicht mitfeiert, gilt schnell als verdächtig. Aus dem Recht auf Toleranz wurde die Pflicht zur Begeisterung. An solche staatlich erwünschten Pflichtbegeisterungen sollten sich die Berliner noch erinnern können.
Der CSD fordert nicht mehr nur Duldung. Er verlangt Beifall. Wer am Straßenrand nicht winkt, gerät bereits in den Verdacht, innerlich falsch abgebogen zu sein.
So wird aus einer Freiheitsbewegung eine öffentliche Erziehungsanstalt. Der Bürger darf zuschauen, lächeln und klatschen. Zweifel sind im bunten Berlin nicht vorgesehen.
Kinderschutz hat einen Tag Pause
Die Empörung ist zu Recht groß, wenn Kinder ungefragt mit Sexualität konfrontiert werden. Schulen, Medien und Politik versichern sonst bei jeder Gelegenheit, das Kindeswohl stehe an erster Stelle.
Beim CSD scheint diese Regel für einen Tag außer Kraft gesetzt. Kinder stehen am Straßenrand, während Erwachsene kaum bekleidet auftreten, sexuelle Bewegungen nachahmen und ihre Vorlieben öffentlich vorführen. Rücksichtnahme sieht anders aus.
Homosexuelle Menschen verdienen Schutz vor Gewalt und Diskriminierung. Aber Kinder verdienen ebenso Schutz vor einer Sexualisierung, der sie weder ausweichen noch zustimmen können. Man braucht auch keinen nackten Hintern vor dem Kinderwagen.
Berlin beantwortet jeden Konflikt mit derselben Fahne
So wie wir Berlin kennen, wird in Bälde eine Demonstration gegen rächts stattfinden. Fahnen werden geschwenkt. Politiker werden betroffen schauen. Redner werden erklären, dass Hass keinen Platz habe. Damit wäre der Berliner Pflichtteil erledigt. Über religiösen Fanatismus, misslungene Integration und die bewusste Provokation anderer Moralvorstellungen wird man lieber schweigen. Das könnte schließlich die schöne Erzählung stören, nach der alle Kulturen friedlich zusammenleben, sobald genügend Regenbogenfahnen aufgehängt werden.
Berlin will gleichzeitig grenzenlose Zuwanderung, grenzenlose Selbstdarstellung und grenzenlose Harmonie. Das ist kein Gesellschaftsmodell. Das ist Wunschdenken mit Polizeischutz.
„Die spinnen, die Römer“, kennen wir aus einer beliebten Fortbildungslektüre aus dem Jahr 1970. Heute müssen wir ergänzen: die Berliner auch.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p




