Vor versammelter Generalität sagt der Hauptredner Navid Kermani am 20. Juli 2026 den Soldaten, sie sollen die Befehle verweigern, wenn eine künftige Bundesregierung sie in einen offenkundig völkerrechtswidrigen Krieg schicken will – und nennt als Beispiel den Krieg der USA und Israels gegen den Iran.
Von Meinrad Müller
Der Gesichtsausdruck des Verteidigungsministers spricht Bände
Hätte man vorher gewusst, was der Schriftsteller sagen würde, hätte Navid Kermani die Rede vor den 240 Rekruten im Bendlerblock nie halten dürfen. Es war eine schallende Ohrfeige für den Bundeskanzler und die anwesenden Militärs.
Der 1967 in Siegen geborene Schriftsteller und Publizist mit iranischen Wurzeln gilt im etablierten Kulturbetrieb als einer der „bedeutendsten deutschen Intellektuellen der Gegenwart“. Genau deshalb hat ihn das Verteidigungsministerium als Ehrengast und Hauptredner für das Feierliche Gelöbnis ausgewählt. Dass ausgerechnet er den Rekruten den Befehl zur Verweigerung erteilen würde, hatte man offenbar nicht auf dem Zettel.
Der Bendlerblock in Berlin-Tiergarten Berlin
Dieser war nach 1933 eines der zentralen Machtzentren der Wehrmacht. Hier saßen wichtige Teile des Oberkommandos des Heeres und des Ersatzheeres. Am 20. Juli 1944 versuchten Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg von hier aus den Staatsstreich gegen Hitler. Nach dem Scheitern des Attentats wurden Stauffenberg und mehrere Mitverschwörer noch in derselben Nacht im Hof des Bendlerblocks erschossen. Heute ist der Komplex zweiter Dienstsitz des Bundesverteidigungsministeriums und beherbergt die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Deshalb legt die Bundeswehr ihr Feierliches Gelöbnis bewusst am 20. Juli ab – als Bekenntnis zum Widerstand gegen Unrecht und nicht zum blinden Gehorsam.
Seine Ansprache – ein Frontalangriff gegen Merz
In seiner Ansprache attackierte Kermani frontal die deutsche Regierungsspitze.
Originalwortlaut:
„Kein geringerer als der Bundeskanzler hatte sich zur Gewohnheit gemacht, das Völkerrecht klein und Völkerrechtsverstöße schön zu reden, wo es ihm politisch opportun erscheint. Aber die Drohung, eine gesamte Zivilisation auszulöschen oder der erklärte Angriff auf die zivile Infrastruktur eines Landes sind ein so offenkundiges Unrecht, dass man weder Jurist sein noch das eigene Gewissen befragen muss, um es zu erkennen. Wenn ausgerechnet die Bundesregierung sich damit hervortut, das Völkerrecht für nachrangig zu erklären oder ausgerechnet ein deutscher Bundeskanzler als einziger westlicher Staatsführer die Drohung des amerikanischen Präsidenten verteidigt, eine gesamte Zivilisation auszulöschen, ist das nicht nur für unser Ansehen verheerend.
Die Relativierung des Völkerrechts von höchster Stelle ist auch ein fatales Signal für unsere Demokratie. Denn wenn die Herrschaft des Rechts in unseren Außenbeziehungen erodiert, wird es nicht lange dauern, bis sie auch im Innern verächtlich gemacht wird. Liebe Rekrutinnen und Rekruten, sie stehen am Anfang einer womöglich langen Laufbahn in der Armee. Es ist unwahrscheinlich, dass die nächsten Jahrzehnte so friedlich bleiben, wie es die letzten Jahrzehnte für Deutschland alles in allem waren. Sollte eine künftige Bundesregierung sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs [ist wie der] jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, dann wird es ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern.“
Die zentrale Stelle seiner Rede, 90 Sekunden:
https://www.youtube.com/shorts/zA9qHMXdP4g
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