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Ergo Sex-Reisen

Ergo-Chef Oletzky: Die Budapest-Reise war einmalig. Revision entdeckte weitere auffällige Incentive-Reisen. Während die Sex-Party in Budapest von angestellten Mitarbeitern organisiert worden sei, seien die Jamaika-Reisen dezentral von den Vermittlern selbst organisiert worden. Dies sei „deutlich schwerer zu kontrollieren“.


Ergo-Chef Torsten Oletzky hat sich erstmals zu den Vorwürfen geäußert, es habe außer der Sex-Orgie für Vertriebler 2007 in Budapest weitere Lustreisen gegeben – unter anderem in ein Swinger-Hotel auf Jamaika. „Die Reisen nach Jamaika hat unsere Revision aufgedeckt“, sagte der Chef der Versicherungsgruppe in einem Interview des Nachrichtenmagazins FOCUS. Ingesamt habe die Ergo etwa 500 Incentive-Reisen der vergangenen zehn Jahre aller Vertriebe überprüft. Dabei seien neben drei Jamaika-Reisen in den Jahren 2009, 2010 und 2011 auffällige Quittungen einer Mallorca-Reise von 2005 aufgetaucht: „Die Revision konnte nicht abschließend klären, was dort passiert ist.“ Bei den Belegen seien „Essen und Getränke“ als Verwendungszweck angegeben worden. „Möglich, dass damit ein anderer Verwendungszweck verschleiert werden sollte.“

Angesichts der Prüfergebnisse seiner Revision kam Oletzky zu dem Schluss: „Das Ergebnis ist eindeutig, die Budapestreise war einzigartig. Wir haben nichts nach Art und Umfang Vergleichbares gefunden.“ Während die Sex-Party in Budapest von angestellten Mitarbeitern organisiert worden sei, seien die Jamaika-Reisen dezentral von den Vermittlern selbst organisiert worden. Dies sei „deutlich schwerer zu kontrollieren“. Oletzky: „Wir müssen uns heute kritisch fragen, ob wir auch die Fälle, die nicht vollständig aufzuklären waren, selbst hätten offensiver kommunizieren müssen.“ Das Fehlverhalten der Reisenden beschädige die Reputation des Versicherers.

Auf die Frage, warum die Ergo-Zentrale die Reisen nach Jamaika genehmigte und dafür insgesamt 105.000 Euro bezahlte, obwohl ihr im Vorfeld der Name des Swinger-Hotels „Hedonism II“ mitgeteilt worden war, antwortete Oletzky FOCUS: „Man kann den Mitarbeitern kaum vorwerfen, dass bei der Rechnungsprüfung der Hotelname nicht aufgefallen ist.“ Ergo habe das Geld nach den Ermittlungen zurückgefordert und mittlerweile die Prozesse geändert: Der zentrale Einkauf rechne jetzt Hotelbuchungen ab. Prostituierte seien auf Jamaika nach Aussagen aller Beteiligten nicht gebucht worden.

Trotz des Skandals will Oletzky Vertriebler der Ergo weiter mit Reisen belohnen: „Motivation spielt in jedem Vertrieb eine wichtige Rolle. Deshalb halte ich es auch weiterhin für vertretbar, dass es Motivationselemente wie Wettbewerbe und Incentive-Reisen gibt.“

Eine große Kündigungsflut der fast 20 Millionen Kunden erwartet Oletzky nicht: „Mit Bezug auf Budapest haben Kunden im vergangenen Jahr weniger als 1000 Verträge gekündigt.“ Allerdings sei jede Kündigung eine Kündigung zu viel. Die Ergo müsse daran arbeiten, das Vertrauen der Kunden durch gute Leistung und korrektes Verhalten wieder zu erwerben. Die Frage, ob Ergo-Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard sich weiter vor ihn stelle, beantwortete Oletzky in FOCUS mit: „Ja.“

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