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Krise: Geld gegen Gold?

DIW-Ökonom schlägt Alternative zu EZB-Anleihenkäufen vor. Vorschlag: Die Verwendung von werthaltigen Assets wie Gold „zur Erleichterung einer temporären, aber in der gegenwärtigen Vertrauenskrise entscheidenden, Brückenfinanzierung der Südländer“ in Betracht zu ziehen.

 

Ansgar Belke, Forschungsdirektor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für Weltwirtschaft und Konjunktur und Direktor des Instituts für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft (IBES) an der Universität Duisburg-Essen, hält die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für wirkungslos. „Die anvisierten Pläne werden keine dauerhafte Senkung der Anleihezinsen im Süden, etwa in Spanien bringen“, sagte Belke im Interview mit Handelsblatt Online.

„Die Bazookas und erst recht Staatsanleihekäufe sorgen bei Ankündigung und kurz nach ihrer Durchführung regelmäßig für Strohfeuer an den Börsen. Sie senken die Refinanzierungskosten der Problemstaaten in der längeren Frist aber kaum, wie wir aus vergleichbaren empirischen Studien wissen.“

Belke schlägt daher vor, die Verwendung von werthaltigen Assets wie Gold „zur Erleichterung einer temporären, aber in der gegenwärtigen Vertrauenskrise entscheidenden, Brückenfinanzierung der Südländer“ in Betracht zu ziehen. Er verwies dabei auf die 70erJahre, als Gold von Portugal und Italien genutzt worden sei, um an Kredite der Bundesbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zu gelangen.

In der derzeitigen Krise könne die Hilfe für die Südländer über den Rettungsschirm ESM organisiert werden. „Dessen Feuerkraft sollte endlich durch eine Golddeckung von Anleihen (…) erhöht werden“, sagte er. „Garantieverpflichtungen von Ländern mit reichen Goldreserven wie Italien und Portugal und Haftungsrisiken von Ländern des Nordens könnten hierdurch abgesichert werden.“ Beide Länder verfügten über Goldreserven in Höhe von mehr als 50 Prozent ihres zweijährigen Refinanzierungsbedarfs. Zugleich könne so der Austritt dieser Länder aus dem EFSF/ESM als Garantoren verhindert werden.

Belke hob die Vorteile dieser Lösung hervor. „Berechnungen auf der Grundlage von Bondpreisformeln ergeben, dass eine Unterlegung der EFSF-Garantien schwächerer Euro-Länder mit Gold die Feuerkraft der Rettungsfonds entscheiden erhöhen“, sagte er. Je nach Ausgestaltung der Strukturen sei ein zusätzliches Finanzierungspotenzial von bis zu 500 Milliarden Euro nicht ausgeschlossen. Zudem könnte der „geldpolitische Übertragungsmechanismus“ kurzfristig verbessert werden, indem die Renditen auf Staatsanleihen als wichtiger Referenzpunkt für andere Zinsen wegen stark fallender Risikoprämien signifikant sinken würden. „Für Portugal zum Beispiel macht das selbst auf 5-Jahresanleihen wohl mehrere Prozentpunkte aus“, sagte Belke.

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