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GRexit ist Euro-Aus

Enderlein: Ein Austritt Griechenlands würde das Ende der Eurozone als Währungsunion bedeuten. Stattdessen wäre der Euro dann nur noch ein System fester Wechselkurse, aus dem auch andere Länder im Krisenfall einfach ausscheiden könnten. "Dann haben wir im Euroraum sofort ein Konvertibilitätsrisiko".

 

Henrik Enderlein, Professor für politische Ökonomie an der Hertie School of Governance, hält nichts von einem Austritt Griechenlands aus dem Euroraum. "Die Kosten für Griechenland selbst und den Euroraum wären so exorbitant hoch, dass es fahrlässig wäre, die Griechen aus dem Euro zu entlassen", sagte der Experte für internationale Wirtschafts- und Finanzbeziehungen im Interview mit dem Anlegermagazin 'Börse Online' (Ausgabe 44/2012, EVT 25. Oktober).

Ein Austritt Griechenlands würde das Ende der Eurozone als Währungsunion bedeuten. Stattdessen wäre der Euro dann nur noch ein System fester Wechselkurse, aus dem auch andere Länder im Krisenfall einfach ausscheiden könnten. "Dann haben wir im Euroraum sofort ein Konvertibilitätsrisiko", warnte Enderlein.

Kurzfristig sieht Enderlein in den Plänen der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Ankauf von Staatsanleihen in Verbindung mit dem Euro-Rettungsschirm "das einzige Mittel, um das Feuer zu löschen". Um den Euro allerdings langfristig zu stabilisieren, forderte der Experte in 'Börse Online' eine politische und eine Fiskalunion in Europa. Diese könne aber nur unter zwei Bedingungen funktionieren: Erstens müssten Problemstaaten bereit sein, in Krisenzeiten ihre Souveränität aufzugeben. "In einer Währungsunion endet die nationale Souveränität dann, wenn die nationale Solvenz endet", betonte Enderlein. Zweitens müssten wirtschaftlich starke Staaten wie Deutschland dazu beitragen, das Zinsniveau für Anleihen in Problemländern wie Italien oder Spanien so niedrig wie möglich zu halten. Eine Möglichkeit dazu könnten partielle Garantieübernahmen sein, mit denen die Anleihepreise in diesen Ländern wieder steigen und die Zinsen fallen. "Ich will nicht die Zinsen für den Staat auf null drücken, aber ich will, dass sie für die Volkswirtschaft deutlich zurückgehen", sagte Enderlein, betonte jedoch zugleich auch, "dass am Sparen kein Weg vorbeiführt".

Die Kritik, dass die EZB mit ihren geplanten Staatsanleihekäufen unerlaubte Finanzpolitik betreibe, hält Enderlein für ungerechtfertigt. "Die EZB hat das Problem, dass sie in der heterogenen Eurozone Geldpolitik für ein Land machen muss, das es nicht gibt." Vor diesem Hintergrund sei gerade jetzt der Versuch erkennbar, eine zuletzt unwirksame Geldpolitik wieder wirksam zu machen. Damit mag die EZB ihren Spielraum ausreizen, "aber wir sind in einer Krise, weshalb diese Maßnahmen am Rand ihres geldpolitischen Mandats absolut gerechtfertigt sind", machte Enderlein deutlich.

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