Paddy Ashdown: Großbritannien muss zu einer verkleinerten Eurozone gehören – Wahlkampfmanager der Liberaldemokraten plädiert für mehr Integration in der EU.
Der Wahlkampfmanager der britischen Liberaldemokraten, Paddy Ashdown, hat sich nicht nur für mehr Integration in der EU, sondern sogar für eine Mitgliedschaft Großbritanniens in einer verkleinerten Eurozone ausgesprochen. Ashdown setzte sich in einem Interview des Nachrichtenmagazins FOCUS deutlich vom konservativen Regierungschef David Cameron ab, mit dem seine Partei eine Regierung bildet. „Wenn wir in Europa nicht kapieren, dass wir unsere Verteidigungs- und Außenpolitik viel enger verzahnen müssen, dann sind wir Idioten“, sagte Ashdown. Die Zeiten seien vorbei, in denen sich Europa an die Supermacht USA habe „ankuscheln“ können. Amerika verliere das Interesse an Europa. Der Dialog zwischen Europa und dem engsten Verbündeten leide darunter, dass es ein „Dialog zwischen einem Riesen und einer Ansammlung Zwerge“ sei.
Ashdown prophezeite eine Kerneurozone aus Deutschland, Österreich, den Benelux-Staaten, Finnland und möglicherweise Schweden. „Dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo auch Großbritannien dazugehören wird.“ Die augenblickliche Eurozone mit 17 Mitgliedstaaten könne nicht überleben. „Wenn es in unserem Interesse ist, dann sollten wir dem Euro beitreten“, betonte der 71-Jährige. „Wenn sich die Eurozone wie beschrieben entwickelt, dann wird es auch im Interesse Großbritanniens sein, dazuzugehören.“ Ein Referendum über Großbritanniens Verbleib in der EU sei allerdings unvermeidlich. Das könnten die EU-Befürworter aber gewinnen, zeigte sich der Liberaldemokrat zuversichtlich.
Ashdown ist Mitglied im britischen Oberhaus. Von 2002 bis 2006 war er Hoher Repräsentant für Bosnien-Herzegowina.



