Immobilienblasen sind genauso gefürchtet wie sie eine normale Folge von langen Boomzeiten sind, zumindest wenn nicht mit rigider Geldpolitik dagegen gesteuert wird. Kommt die nächste Spekulationsblase?
von Carsten Englert
Immobilienblasen sind genauso gefürchtet wie sie eine normale Folge von langen Boomzeiten sind, zumindest wenn nicht mit rigider Geldpolitik dagegen gesteuert wird. Davon können vor allem zwei Länder, aber auch die Weltwirtschaft ein Lied singen!
Die größte Immobilienspekulationsblase in der Geschichte gab es Mitte der 1980er-Jahre bis Anfang der 1990er in Japan. Da die Anleger eine starke Aufwertung des Yen erwarteten und das Land boomte, floss viel Kapital nach Japan. Vor allem in den Aktien- und Immobilienmarkt. In Erwartung immer weiterer Spekulationsgewinne stiegen die Preise immer mehr in astronomische Höhen.
Anfang der 90er platzte die Blase dann und die Immobilienpreise implodierten um bis zu 75 Prozent. Der japanische Leitindex Nikkei brach von über 40.000 Punkten auf unter 10.000 Punkte ein, wo er noch heute verharrt! Japan hat damals viele Fehler gemacht und leidet daher noch heute, gut 20 Jahre später, unter den Folgen und konnte dem deflationären Druck nicht entkommen.
Das Platzen der Immobilienblase in den USA im Jahr 2008 hat gleich die ganze Weltwirtschaft an den Rand des Ruins getrieben! Es verwundert also nicht, dass Immobilienblasen sowohl bei Anlegern als auch Politikern gefürchtet sind. Doch nicht nur dort. Auch bei Zentralbanken sind sie wohl gefürchtet. Zumindest bei der Deutschen Bundesbank. Diese hat am Donnerstag vor einer Immobilienblase gewarnt.
In Deutschland sind zumindest in Ballungsgebieten die Preise in diesem Jahr teilweise zweistellig gestiegen. Vor allem wir hier in Frankfurt können da ein Lied von singen. Steht uns nun ein ähnliches Schicksal bevor wie den Japanern? Mitnichten! Denn, liebe Bundesbank, für eine Immobilienblase braucht es nicht nur steigende Preise, dazu auch nur in einzelnen Regionen.
Die Spekulationsblase beginnt dann, wenn die Leute anfangen, Häuser auf Kredit zu kaufen, nur um sie wenig später dann mit Gewinn weiter zu veräußern. Erst dann steigen die Preise in astronomische Höhen. Ein typisches Phänomen einer Immobilienspekulationsblase ist auch, die Immobilien zu beleihen, um mit dem geliehenen Geld zu spekulieren. Die Immobilie holt das Geld ja selbst wieder rein. Davon sind wir allerdings hier in Deutschland noch meilenweit entfernt. Ich bin mir auch sicher: wenigstens dieser Kelch wird an uns vorüber gehen. Dafür hat der Deutsche an sich gar nicht die Mentalität. Über diese Form der Spießigkeit sollte man zur Abwechslung allerdings mal froh sein. Die Japaner wären es im Nachhinein sicher auch gewesen.
Kommt der perfekte Sturm?
Allerdings heißt das auch nicht, dass wir zwingend von einem Aktienmarkt-Crash verschont bleiben. Es gibt noch genug andere Problembaustellen: Die Euroschuldenkrise kommt mit voller Wucht zurück, die USA steuern mit Vollgas auf die Fiskalklippe zu, das Wirtschaftswachstum weltweit schwächt sich ab, immer mehr Regionen rutschen in die Rezession ab. Und jetzt relativ neu – zumindest für den Markt, Leser des Investoren- Kompasses sind schon seit einiger Zeit darauf eingestellt – eskaliert nun die Lage in Nahost und das Pulverfass droht zu explodieren.
Die Folgen wären in vielerlei Hinsicht fatal. Natürlich vor allem für die Menschen, die in der Region leben. Aber auch der Ölpreis dürfte explodieren oder zumindest deutlich zulegen und damit die ohnehin schwache Wirtschaftsentwicklung noch viel stärker ausbremsen.



