Klimaforscher Schellnhuber: Statt Kyoto gleiche CO2-Rechte für alle. Er befürworte einen „Budget-Ansatz“ für die CO2-Emissionen oder eine weltweite Steuer auf Treibhausgas-Emissionen.
Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellnhuber, hat sich für neue Instrumente im globalen Klimaschutz ausgesprochen, die schneller als das bisherige Kyoto-Protokoll funktionieren würden. Er befürworte einen „Budget-Ansatz“ für die CO2-Emissionen oder eine weltweite Steuer auf Treibhausgas-Emissionen, sagte Schellnhuber der „Frankfurter Rundschau“ (Montagsausgabe). Bei dem Budget-Ansatz. würden allen Menschen der Erde die gleichen Emissionsrechte zugeteilt, und diese könnten dann zwischen Staaten, Unternehmen oder Individuen gehandelt werden. „Das wäre eine elegante Lösung“, sagte er. Die Industrieländer mit hohem CO2-Ausstoß müssten dann CO-Zertifikate in Entwicklungsländern kaufen. Letztere würden Einnahmen erzielen, die zum Beispiel für Anpassungsmaßnamen an den Klimawandel genutzt werden können. Nachteil einer globale CO2-Steuer sei, dass sie „einen komplizierten internationalen Aushandlungsprozess“ erfordere.
Schellnhuber äußerte Zweifel am Kyoto-Konzept. Er könne sich vorstellen, „dass man das „Kyoto-Geschäft“ schließt, den Schlüssel wegwirft und nebenan ein neues Unternehmen aufmacht, das viel vitaler ist – und gleich mit den richtigen Gesellschaftern“. Ziele dieser Länder müssten sein: „Sie revolutionieren ihr Energiesystem, erhöhen die Energieeffizienz drastisch, betreiben zusammen einen Emissionshandel – etwa die EU, Australien und Kalifornien, das jetzt ein CO2-Handelssystem gestartet hat. Südkorea und Japan könnten auch dazu kommen, vielleicht auch ein Land wie Katar, das über die Zeit nach dem Erdöl und Erdgas nachdenkt.“
Kyoto mit einer zweiten Periode am Leben zu halten, mache nur Sinn, wenn die beteiligten Länder sich „wirklich ambitionierte Ziele geben“. Das Ziele der EU, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 absenken sei „dürftig“, sie müsse auf 30 Prozent gehen. Die 30 Prozent seien „leicht zu schaffen, zumal Europa von einer grüneren Weltwirtschaft stark profitieren würde“, sagte der Experte.



