Der Kampf mit den Wellen des Ozeans gehört zu einer der größten Herausforderungen eines Strandurlaubs. Michael Mross im Kampf mit der Monsterwelle an der Küste Sri Lankas. - Für den Unbedarften ein Spiel, das manchmal mit dem Tod endet. Überlebenstipps vom Wellenprofi.
von Michael Mross
Nur der Unerschrockene stählt sich an den Elementen der Natur. Das gilt auch für das Spiel an den Gestaden der Weltmeere. Ich befinde mich derzeit an der Südspitze Sri Lankas. Vor mir die Weiten des Indischen Ozeans. Von hier aus bis zur Antarktis sind es ca. 10000 km. Dazwischen ist nichts, noch nicht mal das kleinste Inselchen.
Die blauen Fluten in der Nähe des Äquators sind angenehm temperiert und laden zum Baden ein. Aber Achtung: die See ist voller Tücken. Das Meer lockt mit kleinen plätschernden Wellen - die sich aber schnell zu meterhohen Wassertürmen aufschaukeln können. Wenn man dann in der Brecherzone ist, ist es zu spät.
Erst letzte Woche bezahlte ein Tourist in unserer Gegend den Ausflug ins Meer mit dem Leben. Denn der Umgang mit den Superwellen erfordert nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern es ist auch eine Kunst an sich.
Die Monsterwelle
Himmel wolkenlos, 33 Grad. Was liegt da näher als eine Erfrischung in den verlockenden Fluten eines unberührten Ozeans? Doch als ich die ersten paar Meter in Richtung Wasser hinter mir habe, passiert es: Monsterwelle, plötzlich haushoch. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Vor so einem nassen Mega-Ungetüm stehe ich nun und es gibt nur einen Ausweg: Unter die Welle durch tauchen - so hoch sie auch sein mag. Bei solchen Monsterwellen wird die Brecherzone zur Todeszone. Wer dort getroffen wird, wird zermalmt.
Die Sogwirkung der Welle macht macht das Durchtauchen relativ einfach: Sie zieht den Schwimmer praktisch im unteren Teil ein und spuckt ihn hinter der Brecherzone wieder aus. Nur trauen muss man sich. Man darf keine Angst haben. Kraft und Ausdauer sind natürlich Voraussetzung für so ein maritimes Abenteuer.
Und wie kommt man wieder raus? Die Antwort ist simpel: Bleiben die Wellen hoch, kommt man nicht mehr raus. Die Ausläufer des Brechers schleudern zwar in Richtung Strand, ziehen das Opfer aber genau so schnell wieder zurück. Und dann folgt schon der nächste Brecher, mit dem Millonen Kubikmeter Wasser zu Boden schießen und anschließend wieder meterhoch in die Luft abprallen. Wer in diese Todeszone gerät, hat kaum eine Chance. Somit ist es auch die häufigste Todesursache bei Leichtsinnigen. Die Strömungsverhältnisse sind so kräftig, dass selbst der geübteste Schwimmer gegen die strudelnde Wasserhölle nicht ankommt. Dann beginnt der Teufelskreis: Man wird zurückgesaugt und schon schlägt der nächste Brecher auf das Opfer ein.
Mein Tipp: Möglichst weit raus schwimmen und abwarten, bis sich die tosende See wieder beruhigt. Meist dauert das einige Minuten. Man darf auf keinen Fall Mut und Hoffnung verlieren, weil dies zur Panik führt. Da draußen ist man nur auf sich selbst angewiesen. Rettung vom Strand kann es nicht geben. Also: Ruhe bewahren und abwarten. Dann wird alles gut - in den meisten Fällen.
Die Riesenwelle schauckelt sich hoch

Augen zu und durch:




