IF Reizwortkette$=‘fremdländisches Aussehen, ausländisch, nicht kaukasisch‘ THEN output$=‘Rassismus!‘ + ‚Wau Wau!‘; follow_context=‘no‘; one-dimensional_analysis=‘yes‘
von Axel B.C. Krauss
Neo, hol‘ mich hier raus!
Die Deutschland-Cloud in der Matrix, Februar 2013. Ein FDP-Politiker namens Jörg-Uwe Hahn spricht einen Satz, der im Wesentlichen zwei Lesarten zulässt. Da manche Politiker und auch einige ständig irgendwas mit den Medien Machenden aber nur über eine Gehirnhälfte verfügen und zudem Subroutinen des Algorithmenpakets „Political Correctness“ sind, können sie die Reizwörter in Hahns Äußerung nur auf eine Art interpretieren: die vorprogrammierte, ankonditionierte – inklusive virtuellem Kläffen.
Hahn sagte: „Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.“ Die Dressurpudel reagierten prompt:
IF Reizwortkette$=‘fremdländisches Aussehen, ausländisch, nicht kaukasisch‘ THEN output$=‘Rassismus!‘ + ‚Wau Wau!‘; follow_context=‘no‘; one-dimensional_analysis=‘yes‘
Einige Intelligenzmonster der politischen (Volksent-)Führungselite, deren Fütterung mit besonders wertvollen Frühstückscerealien von Kindesbeinen an zur Ausprägung überdurchschnittlicher kognitiver Fähigkeiten führte, spuckten sogleich entsprechende Hirnlochkärtchen aus: „Rassismus in Reinkultur!“, piepste es aus den Schaltkreisen Bernd Reixingers (das ist der, in dessen Hauptspeicher sich aufgrund einer geschichtsbildlichen Fehlprogrammierung die verquere Auffassung hält, Kommunismus und Faschismus oder Nationalsozialismus würden sich auch nur das Allergeringste schenken). Das Silizium des hessischen Grünen-Fraktionschefs Tarek Al-Wazir blitzte, Hahn habe eine „völlig inakzeptable“ Formulierung gewählt. Der Parlamentsgeschäftsgameboy der SPD im hessischen Landtag, Günter Rudolph, ratterte: „Stillose Entgleisung“. Auch die Correctness-Firewall des Fraktionsservers der Linken (ebenfalls im hessischen Landtag), Janine Wissler, zauberte eine Alert-Box auf den Bluescreen: „Unerträgliche Fehlbesetzung“. FDP-Integrations-Modul Serkan Tören schaltete in den „Unbehagen“-Modus. Hahn habe seine Worte „unglücklich“ gewählt.
Nein. Hat er nicht.
Ich werde Euch verraten, welchen Fehler Hahn beging, Ihr Lieben: Er hegte die – leider falsche – Erwartung, erwachsene, intelligenzbegabte Wesen (Begabung allein ist bekanntlich noch keine Erfolgsgarantie) wären in der Lage, eine Äußerung erst einmal sinken zu lassen, darüber nachzudenken, sie einer multiperspektivischen hermeneutischen Analyse zu unterziehen, also mehrere mögliche Interpretationen in Betracht zu ziehen, bevor sie sich – peinlich genug – als Opfer einer Hirnwäsche outen, die ihre höheren Hirnfunktionen erfolgreich ausbleichte. Eure Dummheit könnte auch ein Dschungelcamp ausfüllen.
Hahn selbst sagte dazu, er habe damit nur eine gesellschaftliche Debatte anstoßen wollen. Auch das aber könnte theoretisch wieder Matrix-Code sein, nämlich wie folgt:
IF Akzeptanz_Politkaste < 0 AND Bürgerunmut > Critical_Mass THEN !Tranquilize_Volksgewissen=‘erziehungsbedürftig‘
Ist aber nur eine fixe systemtheoretische Idee meinerseits.
In einem Artikel des „Focus“ hieß es weiter: „Brüderle hatte im Mai 2012 auf einem Parteitag in Hessen mit einer Bemerkung in Richtung des Parteichefs für Aufregung gesorgt: ‚Glaubwürdigkeit gewinnt man, indem man nicht wie Bambusrohre hin und her schwingt, sondern steht wie eine Eiche‘.“
Wenn solche Sätze schon für „Aufregung“ sorgen können, kann man eigentlich nur noch mit schweren Abstürzen des Betriebssystems rechnen.



