Institut für Weltwirtschaft: Erwartungen an transatlantisches Freihandelsabkommen stark überzogen.
Das Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) hat vor übertriebenen Erwartungen an das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA gewarnt. Der Leiter des IfW-Zentrums für Wirtschaftspolitik, Professor Henning Klodt, sagte der Berliner Zeitung (Dienstagausgabe): „Die EU-Kommission geht von einem zusätzlichen Handelsvolumen von 200 Milliarden Euro pro Jahr aus, die amerikanische Handelskammer rechnet mit 1,5 Prozent mehr Wirtschafswachstum. Das kommt mir sehr stark überzogen vor. Wahrscheinlich wird der Effekt deutlich geringer ausfallen.“ Für Deutschland sei eine Zunahme der Exporte in die USA von lediglich drei bis fünf Milliarden Euro pro Jahr realistisch, sagte Klodt. Das entspräche vier bis sieben Prozent der gegenwärtigen deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten.
Europäer und Amerikaner hatten in der vergangenen Woche angekündigt, in Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen eintreten zu wollen. Für die Verhandlungen sind zwei Jahre angesetzt. Klodt sagte, bis ein derartiges Abkommens seine volle Wirkung entfaltet, dürften zwei bis drei weitere Jahre vergehen. „Man könnte auch sagen: Präsident Obama, Kanzlerin Merkel und all die anderen Befürworter werden die politische Ernte vermutlich nicht mehr einfahren.“



