Die Boston Consulting Group (BCG) - ursprünglich ein Unternehmensberater - mutiert zum Enteignungsberater: Die globale Schuldenlast soll durch eine Kombination aus Schuldenschnitt, erhöhter Besteuerung und Inflation gekappt werden. - „Noch mehr Schulden? Nein, danke!“, so der Titel eines neuen Buches der BCG-Experten. Eine 10-Punkte-Rosskur soll Sparer rasieren und das Finanzsystem kurieren.
In Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ wagt es keiner, dem Kaiser zu sagen, dass er nackt ist. Die westliche Welt ist derzeit nicht weniger nackt, doch wie der Kaiser und sein Hofstaat verweigern wir uns der Realität: Schulden können nicht ewig schneller wachsen als die Einnahmen. Seit 1980 hat sich der Verschuldungsgrad von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten mehr als verdoppelt. Dieser Trend hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise beschleunigt, weil Regierungen stützend eingegriffen haben. Zur offiziellen Verschuldung kommen die ungedeckten Verbindlichkeiten der Zukunft: Rentenansprüche und steigende Gesundheitskosten.
Wir sind bankrott und wollen es nicht wahrhaben – so lautet die nüchterne Schlussfolgerung des Finanzkrisenexperten Daniel Stelter von der Boston Consulting Group (BCG) in seinem Buch „Die Billionen-Schuldenbombe“, das jetzt bei Wiley erscheint. Bestätigt wird er darin von seinen Mitautoren, dem bekannten Thriller-Autor und Managementberater Veit Etzold und seinen BCG-Kollegen Ralf Berger, Strategieberater, und Dirk Schilder, Senior Analyst.
Um Risiken für Wirtschaft und Demokratie abzumildern und soziale Unruhen zu verhindern, schlagen die Autoren eine drastische 10-Punkte-Rosskur vor:
- Die Schuldenlast durch eine Kombination aus Schuldenschnitt, erhöhter Besteuerung und Inflation reduzieren. (Schuldenschnitt = Enteignung Anm. d. Red)
- Korrigierende Eingriffe des Staates: Suche nach einem geordneten Weg, die Vermögenskonzentration auf einem nachhaltig stabilen Niveau zu halten
- Das Renteneintrittsalter anheben
- Das Rentenniveau reduzieren
- Mehr arbeiten
- Länger arbeiten
- Die Erwerbsquote von Frauen erhöhen
Sie zeigen auf, dass die Politik allein mit der Lösung überfordert ist. Es handelt sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die eine breite öffentliche Diskussion von Lösungsvorschlägen erfordert. Jeder Einzelne als Teil der Gesellschaft und der Märkte muss aktiv werden. Stelter und Co. fordern ihre Leser auf, Politikern konkrete Fragen zur Zukunft des Euros und zum Schuldenabbau zu stellen, Leserbriefe an Zeitungen zu schreiben,
Demonstrationen oder Flashmobs zu organisieren.
Die Politik werde sich nur dann trauen, das Notwendige zu tun, wenn die Bürger die notwendigen Schritte einfordern und die Politiker zu unpopulären Maßnahmen ermutigen. Gerade im Wahljahr 2013 müssen, so die Überzeugung der Autoren, alle Bürger diese wichtigen Themen nach dem Motto „Noch mehr Schulden? Nein, danke!“ in die politische Diskussion einbringen.
In der Studie "Back to Mesopotamia" kommen die BCG-Experten schon letztes Jahr zu dem Schluss, dass am Ende nur eine Enteignung der Bevölkerung in der Größenordnung von 11-30% die Schuldenkrise lösen könne. Außerdem wird eine Vermögenssteuer von 25% vorgeschlagen. - Zufall oder nicht? Ein hochrangiger Mitarbeiter wurde letztes Jahr im deutschen Finanzministerium angeheuert.



