Hoeneß-Anwälte streben Deal mit Staatsanwaltschaft an. Bayern-Präsident soll bereit sein, Bewährungsstrafe zu akzeptieren. Umfrage: 50 Prozent der Deutschen wollen Hoeneß nicht verzeihen. -
In der Steueraffäre Uli Hoeneß streben seine Anwälte einen Deal mit der Staatsanwaltschaft an, um dem Bayern-Boss eine Hauptverhandlung und eine mögliche Gefängnisstrafe zu ersparen. Wie BILD am SONNTAG unter Berufung auf Kreise der bayerischen Staatsregierung und Justiz berichtet, soll Hoeneß bereit sein, dafür neben der Geldstrafe in Millionenhöhe eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung zu akzeptieren.
Doch die Staatsanwaltschaft München II ist den Informationen zufolge nicht dazu bereit. Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich sagte BILD am SONNTAG: "Zu Inhalte des Ermittlungsverfahrens äußern wir uns nicht, dazu gehören auch Gespräche mit den Verteidigern." Die Anwälte von Hoeneß ließen die BamS-Anfrage unbeantwortet.
Deals zwischen Anwälten und Strafverfolgern sind "durchaus üblich", wie der bekannte Steueranwalt Wolfgang Kubicki bestätigte. "Verteidigung und Staatsanwaltschaft können außerhalb einer Hauptverhandlung das Verfahren beenden und sich dabei auf eine Bewährungsstrafe von bis zu einem Jahr einigen." Das Gericht müsse noch zustimmen.
FC-Bayern-Aufsichtsräte drängen Vorsitzenden Hoeneß zu temporärem Rückzug
Die großen Sponsoren des FC Bayern München – Adidas, Audi, Volkswagen und die Deutsche Telekom – sind sich einig, wie es im Fall Uli Hoeneß weitergehen soll. Auf der Aufsichtsratssitzung an diesem Montag soll der Bayern-Aufsichtsratschef bekannt geben, dass er nach dem 25. Mai, dem Tag des Endspiels der Champions League gegen Borussia Dortmund, sein Amt bis zur Klärung seiner Steueraffäre ruhen lässt - schreibt der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe.
Intern hatten sich die Konzernchefs Herbert Hainer (Adidas), Martin Winterkorn (VW), Rupert Stadler (Audi) und Timotheus Höttges (Telekom) zunächst auf einen schnelleren Rück- zug des Bayern-Bosses verständigt. Doch nach dem 3:0 gegen den FC Barcelona am vergangenen Mittwoch, der Euphorie über den Einzug ins Finale und einer Sympathie- welle für Hoeneß in München wollen sie den Steuerhinterzieher nicht zum sofortigen Rückzug drängen.
Die Unternehmen fürchten, den Zorn der Fans auf sich zu ziehen. Zudem vertreten Adidas und Audi in der FC Bayern München AG nur 18,2 Prozent des Kapitals: Sie können Hoeneß nicht zwingen, sich selbst auszuwechseln. „Sein Schicksal wird in München entschieden, nicht in Herzogenaurach oder Wolfsburg“, sagt ein Manager. Schmackhaft machen wollen die einflussreichen Bayern-Aufsichtsräte Hoeneß den Schritt, indem sie ihm die Tür für eine Rückkehr offen halten.
Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterzie- hung gegen Hoeneß, der mittlerweile eine Steuerschuld von rund 3,2 Millionen Euro beglichen hat.



