Bundesbankpräsident Weidmann zu Bankpleiten: "Zypern" ist verbesserungsfähig. Generell gelte aber: Zuerst haften die Eigentümer, also die Aktionäre, dann Anleihe-Gläubiger und Groß-Einleger mit ihren Guthaben über 100 000 Euro. - Keine Rückkehr zur DM.
In einem Interview mit der WAZ vertieft Bundesbank Präsident Jens Weidmann seine Ansicht, dass bei zukünftigen Bankenpleiten neben den Eigentümern auch die Sparer haften. - Eine Rückkehr zur DM schließt er derzeit aus:
Drei Milliarden Euro aus dem Rettungspaket für Zypern sind unterwegs. Ist das gut angelegtes Geld?
Weidmann: Die Politik hat entschieden, Zypern zu helfen. Nun kommt es darauf an, dass Zypern die Zeit nutzt, grundlegende Reformen durchzuführen und ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, damit die Kredite schließlich auch zurückgezahlt werden können. Die Turbulenzen in Zypern zeigen jedenfalls, dass die Euro-Krise noch nicht zu Ende ist. Ich habe immer gesagt, wir haben es mit einem Marathonlauf zu tun, nicht mit einem Sprint.
Zypern zeigt, dass Banken abgewickelt werden können.
Ja, auch wenn der Prozess verbesserungsfähig ist …
… Sie denken an die Verunsicherung der Sparer …
… hat Zypern gezeigt, dass Banken ohne größere Erschütterungen für die Finanzstabilität abgewickelt werden können, und zwar ohne dass sofort der Steuerzahler einspringen muss. Der Fall Zypern zeigt auch: Wir brauchen mehr haftendes Kapital, und wir müssen einen verlässlichen Abwicklungsmechanismus haben mit einer klaren Haftungsreihenfolge.
Die da wäre?
Wichtig ist letztlich, dass die Investoren die Risiken ihrer Anlageentscheidung tragen und nicht Gewinne mitnehmen, Verluste aber sozialisieren. Zuerst haften die Eigentümer, also die Aktionäre, dann Anleihe-Gläubiger und Groß-Einleger mit ihren Guthaben über 100 000 Euro. Einlagen unter 100 000 Euro müssen besonders geschützt sein. Außerdem sollen die Banken einen eigenen Abwicklungsfonds aufbauen. Der Steuerzahler soll – wenn überhaupt – jedenfalls erst ganz zum Schluss haften. In Deutschland kommt hinzu, dass auch Einlagen über 100 000 Euro unter die Sicherungseinrichtungen der Banken, Sparkassen und Volksbanken fallen.
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Was wäre so schlimm an einer Rückkehr zur D-Mark?
Der Euro ist unsere Währung. Ich setze mich entschieden für den Erhalt der Währungsunion als Stabilitätsunion ein. Der Zerfall des Euro würde zu drastischen Verwerfungen führen. Den Zusammenhalt der Währungsunion sicherzustellen ist aber letztlich Aufgabe der Politik, wir als Notenbank sind für Geldwertstabilität zuständig.
Würden Sie sich eine Vertiefung der Union etwa mit einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik wünschen?
Es wurden bei Gründung der Währungsunion zwei Modelle diskutiert: das Modell mit eigenverantwortlichen Nationalstaaten, die nicht füreinander haften, und das einer politischen Union. Europa hat sich für den ersten Weg entschieden, auch sehe ich derzeit keine politischen Mehrheiten für einen weitgehenden Verzicht auf nationale Souveränität. Mit den Krisenmaßnahmen übernehmen wir aber immer mehr Haftung. Es kommt jetzt darauf an, Haftung und Kontrolle wieder in die Balance zu bringen.



