Der Massentourismus bei Extrembergsteigern trifft bei Einheimischen auf Widerstand. Profibergsteiger Ueli Steck im SPIEGEL-Gespräch über seine Schlägerei mit Sherpas am Mount Everest: „Sie wollten mich töten“.
Der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck, 36, zeigt sich noch immer geschockt von einer Schlägerei am Mount Everest, bei der er vor zwei Wochen von etwa hundert Sherpas attackiert, verprügelt und gejagt wurde. „Ich denke an nichts anderes. Nachts kann ich höchstens drei Stunden schlafen. Es waren die schlimmsten Minuten meines Lebens, ich hatte mit allem abgeschlossen“, sagt Steck, einer der weltbesten Kletterer, im Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.
Am 27. April war Steck mit dem Italiener Simone Moro und dem Briten Jonathan Griffith auf der Everest-Südroute auf etwa 7000 Meter Höhe in einen Streit mit einem Sherpa geraten, der mit rund 20 Kollegen die Route mit Fixseilen präparierte. Die Sherpas fühlten sich von den Kletterern gestört. Sie brachen ihre Arbeit ab, nachdem Moro den Chef der Gruppe als „Motherfucker“ beschimpft hatte. Später, so Steck, hätten die Sherpas nach der Rückkehr des Trios in Lager 2 Vergeltung geübt.
„Als ich aus dem Zelt trat, kamen ungefähr hundert Sherpas auf mich zu. Einige hatten ihr Gesicht mit Schals vermummt, andere trugen Steine in den Händen“, sagt Steck. „Angeführt wurden sie von dem Sherpa, mit dem wir uns oben gestritten hatten. Bevor ich etwas sagen konnte, landete seine Faust mit voller Wucht auf meiner Nase. Ich ging zu Boden, dann bekam ich einen Stein ins Gesicht. Sie wollten mich töten, jedenfalls riefen sie das immer wieder.“
Steck führt die Gewalt am Everest auf einen Machtkampf zwischen Einheimischen und Profikletterern zurück. „Viele Sherpas sehen in uns Parasiten, die an ihrem Berg sind, ohne den Profit zu steigern. Es wird in Zukunft noch mehr Bergsteiger geben, die eine Abreibung bekommen.“ In den vergangenen Jahren sei eine „neue, junge Generation von Sherpas“ an den Everest gekommen: „Die Jungs sind etwa 20 Jahre alt, sie verdienen in zwei Monaten rund 7000 Dollar. Das ist in Nepal sehr viel Geld. Die Sherpas fühlen sich als Helden und wollen das Management am Everest übernehmen, das Business vorantreiben. Die Prügelei war auch eine Art Machtdemonstration.“
Nach dem Gespräch mit dem SPIEGEL, das Steck am vorigen Mittwoch im Berner Oberland führte, tauchte der Schweizer ab. In einer Presseerklärung teilte er mit, unter den Auswirkungen der Attacke zu leiden und eine „persönliche Auszeit“ zu benötigen.



