Der US-Geheimdienst NSA sammelt heimlich die Daten von Millionen Telefonkunden und Internetnutzern. Betroffen u.a.: Kunden von Verizon, Google, Apple, Facebook und Microsoft.
Der vierseitige Gerichtsbeschluss mit dem Aktenzeichen BR 15-80 stammt vom 25. April 2013. Auf jeder Seite trägt er dieselbe Warnung: "TOP SECRET//SI//NOFORN." SI steht für "special intelligence", NOFORN für "no foreign nationals": Nur Geheimnisträger dürfen das also lesen, und Ausländer erst gar nicht. Frühestes Freigabedatum: 12. April 2038.
Der Londoner "Guardian", veröffentlichte das Geheimpapier jetzt - und beweist damit: Die USA entwickeln sich zum totalitären Überwachungsstaat in dem die Daten aller Bürger gesammelt und ausgewertet werden. Telefon und Internet werden über Schnittstellen angezapft. Jeder ist verdächtig. Ausnahmen gibt es nicht
Giga-Spionage-Zentrum
Die USA planen die totale, globale, digitale Kontrolle. Zu diesem Zweck wird In der Wüste von Utah ein gigantisches Spionagezentrum aufgebaut. Dort können weltweit alle E-Mails, Telefonate, Google-Suchanfragen, Reiserouten und Buchkäufe, alle Lebensläufe und persönlichen digitalen Daten gesammelt und ausgewertet werden. Freunde aus Geheimdienstkreisen haben uns einige Daten zugespielt.
So sollen die Server auf einer 8’000 Quadratmeter grossen Fläche stehen. Auf einer weiteren Fläche von 275’000 Quadratmetern sollen Datenspeicher verankert sein. Die Menge der Informationen, die hier gespeichert werden kann, ist kaum vorstellbar. Denn heute passt ein Terabyte Daten bereits auf einen Fingernagel grossen Chip. Die Datenmengen, die die NSA erfassen will, sind enorm: Der frühere Google-Chef Eric Schmidt schätzte das gesamte menschliche Wissen, das bis zum Jahr 2003 generiert wurde, auf fünf Exabyte.
Laut der Internetfirma Cisco wird sich der weltweite Datenverkehr im Internet im Zeitraum von 2010 bis 2015 vervierfachen und ein Volumen von 9’766 Exabyte erreichen. Eine Millionen Exabyte wiederum sind ein Yottabyte. Das Pentagon versucht etwa in seinem weltweiten Kommunikationsnetzwerk mit Yottabytes von Daten umzugehen, um Satellitenbilder sowie Sensor- und Kommunikationsdaten live (!) nutzen zu können.
Schlüsselfertiger totalitärer Staat
Auch die NSA wird mehrere Yottabyte Daten speichern und verarbeiten können. Damit kann sie für mehrere Jahre die Daten, die im Internet ständig veröffentlicht werden, speichern. Ab Herbst 2013 könnte mit dem für zwei Milliarden Dollar errichteten Zentrum endlich die Idee der totalen Informationsaufbereitung umgesetzt werden, wie sie bereits unter Präsident Georg W. Bush geplant wurde. Ein NSA-Angestellter sieht es so: Er führte Daumen und Zeigefinger zusammen und sagte: „So weit weg sind wir noch vor einem schlüsselfertigen totalitären Staat“.
Für die Datenmengen sorgen das weltumspannende Überwachungsnetz der NSA („Staubsauger im All“) sowie die jetzt aufgestockten Speicherkapazitäten. Um die Rechenkraft zu erhöhen, beschloss die NSA bereit 2004, ein neues Projekt, das „High Productivity Computing Systems Program (HPCS)“, zu starten. Das Ziel: die Rechenleistung um das Tausendfache zu steigern. Die neuen sogenannten Patflop-Rechner sollen mindestens eine Billiarde, also 1’015 Rechenschritte pro Sekunde (!) vornehmen können.



