Die Nervosität ist heute auf allen Finanzmärkten deutlich spürbar; dort heißt die Frage nicht mehr, welche Kursrekorde bald gebrochen werden, sondern wie man noch vor dem Zusammenbruch seine Schäfchen ins Trockene bringen kann. In nur drei Wochen ist der japanische Aktienindex Nikkei um mehr als 20% eingebrochen; an drei Handelstagen brach der Kurs um mehr als 5% ein. Die Krisenfolgen ziehen inzwischen auch die „Standard“- Indikatoren der Wirtschaft wie die Aktienmärkte, die Zinssätze, die Wechselkurse usw. in Mitleidenschaft. In diesen Bereichen bestimmen die Zentralbanken was geschieht, dort konnten sie nach Belieben die Realitäten manipulieren, wie wir schon häufig erläutert haben.
Aber die verheerenden Auswirkungen der Politiken der japanischen, amerikanischen und britischen Zentralbanken zerstören nunmehr die Argumentation (oder vielmehr die Propaganda) vom Erfolg der „Alternativmethode“, die angeblich doch den Aufschwung in Japan und USA bringen sollte; dass dies in Großbritannien gelingen könnte, wagten noch nicht einmal die Ideologen des QE zu behaupten.
Die zweite Krise, die nun vor dem Ausbruch steht, hätte vermieden werden können, wenn die Welt rechtzeitig zur Kenntnis genommen hätte, dass die USA strukturell nicht in der Lage sind, sich zu ändern und deshalb nur die Methoden anwenden konnten, die schon zur Krise von 2008 führten. Wie die „too big to fail“- und damit verantwortungslosen Banken 2009 unter Aufsicht hätten gestellt werden müssen, so hätte dies auch mit den strukturell unverantwortlichen Länder geschehen müssen, wie LEAP schon in der 28. Ausgabe des GEAB vom Oktober 2008 vorschlug. Leider haben sich die Institutionen der globalen Governance als vollkommen handlungsunfähig und ohnmächtig bei der Bekämpfung der Krise herausgestellt. Nur regionale Zusammenarbeit war möglich; die internationalen Zusammenarbeitsformen blieben nutzlos, jedem blieb nur übrig zu versuchen, die Probleme auf sich allein gestellt zu regeln.
Die zweite wichtige Reform, die LEAP/E2020 2009 empfahl, betraf die grundlegende Reform des internationalen Währungssystems. In 40 Jahren amerikanischer Außenhandelsdefizite und Wechselkursschwankungen war der Dollar als Basis des internationalen Währungssystems das Vehikel, das jedes amerikanische Problem weit in die Welt hinaus verfrachtete. Diese brüchige Basis ist heute der Knackpunkt der globalen Probleme. Früher hieß es, wenn die US- Wirtschaft unter einem Schnupfen leide, erkranke die Weltwirtschaft an Lungenentzündung. Heute leidet die USA nicht an einer Erkältung, sondern an der Beulenpest, und auf dem Dollar werden die Krankheitserreger in die Welt getragen. Weil die Welt 2009 nicht in der Lage war, das internationale Währungssystem zu reformieren, wird nun die zweite Krise ausbrechen. Mit ihr öffnet sich ein zweites „window of opportunity“ für eine solche Reform auf dem G20- Treffen im September; man müsste sich eigentlich wünschen, dass die Krise vor diesem Datum mit aller Macht ausbricht, um endlich den Weg zu einem Beschluss frei zu machen. Ansonsten dürfte der Gipfel zu früh sein, als dass möglich wäre, alle zu einer Zustimmung zu einer solchen Reform zu bewegen.



