Schweizer Banken verpfeiffen ihre Kunden an die USA. Sie wollen mit dem Segen der Regierung weitere vertrauliche Bankdaten an das US-Justizministerium liefern.
Im Steuerstreit mit den USA wollen Schweizer Banken mit dem Segen der Regierung weitere vertrauliche Bankdaten an das US-Justizministerium liefern. Credit Suisse, Julius Bär und mindestens drei weitere Institute, die wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Visier der amerikanischen Behörden stehen, beantragten bei der Regierung in Bern eine Ausnahmegenehmigung für die Herausgabe von sogenannten "Leaver-Listen", erklärten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die Institute hoffen, dass die Anträge in der kommenden Woche abgesegnet werden. Dann könnten sie einer zentralen Forderung der Amerikaner nachkommen und Informationen darüber herausgeben, wohin Geld geflossen ist, das reiche Amerikaner in den vergangenen Jahren bei ihnen abgezogen haben.
Die Amerikaner ermitteln gegen etwa ein Dutzend Schweizer Banken, darunter neben Credit Suisse und Bär die Schweizer Tochter der britischen Großbank HSBC, die Bank Pictet und die Kantonalbanken von Zürich und Basel. Leaver-Listen geben den Amerikanern die Möglichkeit, weitere Banken aufs Korn zu nehmen, wenn diese Geld von mutmaßlichen US-Steuersündern übernommen haben. Schätzungen zufolge könnte das bis zu 100 kleinere Banken betreffen. Die Institute sollen allerdings die Möglichkeit bekommen, sich im Rahmen eines speziellen Programms selbst beim US-Justizministerium anzuzeigen. Sie müssten sich dann ebenso wie das Dutzend Institute zu einer Geldstrafe bereiterklären, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Die Modalitäten des Programms stehen nach Angaben von Banken-Insidern nicht endgültig fest. Nachdem das Schweizer Parlament Mitte Juni die sogenannte "Lex USA" ablehnte, muss die Schweizer Regierung wieder neue Gespräche mit den Amerikanern führen.



