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AfD: Locker 5%

AfD-Chef Lucke deutet mögliche Koalitionsgespräche mit CDU an – AfD wird „locker“ Fünf-Prozent-Hürde nehmen. Wahlforscher sehen bei AfD Chance für Einzug in Bundestag


Der Vorsitzende der Euro-kritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, hat für den Fall eines Wahlsieges mögliche Koalitionsgespräche mit der Union angedeutet. In einem FOCUS-Interview betonte Lucke zwar, die AfD werde „nur mit Parteien in Koalitionsgespräche eintreten, die bereit sind, sich grundlegend von der aktuellen Euro-Rettungspolitik abzuwenden“. Allerdings hätten bestimmte Parteiführungen „in der Vergangenheit schon eine ganze Reihe überraschender Kehrtwenden vollzogen“, so Lucke. „Denken Sie nur daran, was die CDU in der vergangenen Wahlperiode alles über Bord geworfen hat: Wehrpflicht, Kernkraft, kein Mindestlohn, keine Haftung für fremde Schulden. Im letzten Punkt müsste die CDU nur zu dem zurückkehren, was sie 2009 noch versprochen hat, dann wären wir schon mal einen Schritt weiter.“ Sollte die Union das aber nicht tun, so Lucke, „dann reden wir mit anderen oder gehen in die Opposition“.


Wahlforscher sehen bei AfD Chance für Einzug in Bundestag

Deutschlands wichtigste Wahlforscher glauben, dass die Euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) im Endspurt vor der Bundestagswahl noch zulegen kann. „Es ist nicht auszuschließen, dass die AfD die Fünf-Prozent-Hürde überspringt“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem Nachrichtenmagazin FOCUS. Es gebe eine „gewisse Dunkelziffer“ fügte er mit Blick auf AfD-Sympathisanten hinzu, die in Umfragen nicht zugeben wollten, eine eurokritische Partei zu wählen. Güllner erinnerte an die baden-württembergische Landtagswahl 1996, als die rechtspopulistischen Republikaner in Umfragen auf vier bis fünf Prozent der Stimmen kamen, am Wahlabend aber knapp zehn Prozent erreichten. „Ein Teil der Anhänger wollte sich nicht befragen lassen, weil sie den Meinungsforschern grundsätzlich misstraut haben“, so Güllner. Bei vielen potentiellen AfD-Wählern sei das heute ähnlich.

Auch Hans-Peter Schöppner von tns Emnid hält es für denkbar, dass die AfD zum Schluss zulegt und den Sprung in den Bundestag schafft. Manche Wähler hätten den Impuls, schlicht die Partei zu wählen, „mit der man die Etablierten am meisten ärgern kann“, sagte Schöppner FOCUS. „Das war mal die DVU, mal die NPD.“ Im vorigen Jahr hätten die Piraten für einen Teil der Wähler diese Funktion übernommen. „Diesmal könnte das die AfD sein“, so Schöppner.

Hermann Binkert vom Umfrage-Institut INSA geht davon aus, dass die AfD zahlreiche Nichtwähler mobilisieren kann. „Die AfD hat bei Nichtwählern viel Potential, denn zwei Drittel dieser Gruppe wünschen sich eine eurokritische Partei im Bundestag “, sagte er FOCUS. Die Euro-Gegner seien auch für frühere Wähler von SPD, Grünen, Linken und Piraten eine Alternative. „Je stärker Professor Lucke als das Gesicht der AfD wahrgenommen wird, desto größer werden die Chancen auf einen Einzug in den Bundestag“, so Binkert.

Lucke rechnet fest damit, dass seine AfD bei der Bundestagswahl den Einzugs ins Parlament schafft. Auf die Frage nach seiner persönlichen Prognose antwortete Lucke: „Klar über fünf Prozent, vielleicht nahe an zweistellig. Es wird locker reichen.“ Alle Standard-Umfragen wiesen steigende Tendenz auf. Die anderen Prognosen wie das Wahl-Radar oder der Wahl-O-Meter sagten der AfD ohnehin noch bessere Ergebnisse voraus. „Wir stellen auch an den Wahlkampfständen fest, dass das Interesse sprunghaft gestiegen ist“, sagte er. „Die Leute reißen uns das Material fast schon aus den Händen und versprechen, sie würden uns wählen.“ Die AfD-Wähler stammten nur „minimal“ vom rechten Rand. Sie kämen vielmehr „von der SPD, der CDU, der FDP und der Linken. Teilweise auch von den Grünen und sehr stark von den Piraten“.

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