Österreichs führendes Stromunternehmen: Deutsche Energiewirtschaft wurde an die Wand gefahren. „Ich frage mich immer: Wie kann man mit so viel Geld so wenig Strom erzeugen?“
Deutschland beschreitet bei der Energiewende den falschen Weg. „Von den sich selbst gesetzten Zielen hat man keines erreicht“, sagte Wolfgang Anzengruber, Chef der Verbund AG, größter österreichischen Stromversorger und größter Wasserkraft-Betreiber in Bayern, im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Sichere und kostengünstige Versorgung – negativ. Und der CO2-Ausstoß ist nicht gesunken, sondern sogar gestiegen“, resümierte Anzengruber. Zudem sei die Förderung der Erneuerbaren Energien wirtschaftlich ineffizient: „Ich frage mich immer: Wie kann man mit so viel Geld so wenig Strom erzeugen?“
Ein katastrophales Zeugnis stellt er den Folgen der Förderung aus: „Nebenbei wird ein Industriestandort in Schwierigkeiten gebracht und ein ganzer Sektor – die Energiewirtschaft – gegen die Wand gefahren. Die großen deutschen Energieversorger haben mehr als 100 Milliarden Euro Börsenkapitalisierung verloren.“
Die Verbund AG ist mit 21 Wasser- und Gas-Kraftwerken auf bayrischem Boden vertreten. Die Verbund AG würde auch gerne mehr sauberen Strom aus Österreich zu günstigen Preisen nach Deutschland liefern. „Aber dafür reicht die Verbindung zum deutschen Markt nicht aus, weil innerdeutsche Transportnetze fehlen“, kritisiert Anzengruber. „In Deutschland wird darüber diskutiert, mit vielen Fördermilliarden neue Speicher zu bauen. Und in Österreich haben wir diese Speicher, aber sie können aufgrund der fehlenden Netze nicht ins System“, beklagt Anzengruber die mangelnde Infrastruktur.
Anzengruber appelliert an die Politiker, sich stärker für grenzüberschreitende Lösungen einzusetzen. „Wir wünschen uns eine Vereinbarung mit Deutschland über eine gemeinsame Beschaffung bei der Regelenergie, wie es sie mit den anderen Nachbarländern wie der Schweiz oder Slowenien gibt.“ Anzengrub! er: „Die Hälfte unseres Absatzes geht nach Deutschland.“
Mit Blick auf den heimischen Markt habe Österreich ausreichend Pumpspeicherwerke. „Aber für unsere Nachbarn könnten wir noch viel tun – die Alpen bieten sich als Speicherlösung an. Und Pumpspeicherkraftwerke sind nun mal die günstigste und effizienteste Möglichkeit, Strom in großen Mengen zu speichern.“
Eon-Chef rechnet mit Energiewende ab
Der Vorstandschef des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen, hat scharf wie nie die Energiepolitik der Bundesregierung kritisiert. In einem Interview mit der "Bild-Zeitung" sagte Teyssen: "Es muss einen grundlegenden Neustart bei der Energiewende geben, die Zeit des Durchwurschtelns ist vorbei."
Teyssen kritisierte, durch die bisherige Energiepolitik sei Strom "für viele Verbraucher schon echtes Luxusgut. Es droht eine Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen." Das EEG in seiner jetzigen Form führe zu einer "unsozialen" Umverteilung von unten nach oben. Teyssen warnte, 2014 müssten die Verbraucher für Ökostrom per Umlage 24 Milliarden Euro extra bezahlen. "Passiert nichts, sind es 2015 rund 28 Milliarden", sagte der Manager.
Um die Kosten besser zu verteilen, forderte er eine "Flatrate" für das Stromnetz. "Jeder soll für die Nutzung bezahlen - also auch diejenigen, die ihren eigenen Strom mit Solar- oder Windkraft produzieren und bisher von den Netzentgelten nahezu ausgenommen sind", sagte Teyssen der "Bild-Zeitung". Außerdem müsse das EEG so geändert werden, dass überschüssiger Strom nicht mehr kostenlos ins Ausland verschenkt werden müsse. Das sei "völlig sinnlos", erklärte Teyssen.