Middelhoff meldet sich aus Bielefeld ab. Ex-Vermögensverwalter Esch beauftragt Gerichtsvollzieher mit Millionenvollstreckung.
Der frühere Chef des Pleite-Konzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, hat sich mit seiner Frau Cornelie überraschend vom langjährigen Familienwohnsitz in Bielefeld abgemeldet und ist offiziell nach Frankreich, in seine Villa in Saint-Tropez, verzogen. Middelhoff bestätigte entsprechende SPIEGEL-Recherchen, machte aber widersprüchliche Angaben zum Zeitpunkt der Abmeldung.
So hatte er zunächst behauptet, schon seit dem 29. November 2011 Bielefeld verlassen zu haben. Später räumte sein Anwalt ein, dass das Ehepaar erst im April dieses Jahres den Wohnsitz nach Frankreich verlegt habe. Herausgekommen ist Middelhoffs Umzug, weil sowohl sein Ex-Vermögensverwalter Josef Esch als auch Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch Forderungen in Millionenhöhe per Vollstreckung gegen ihn durchsetzen wollen.
Im Fall Esch, bei dem es allein um einen gültigen Titel über rund 2,5 Millionen Euro geht, ist demnach bereits ein Ge- richtsvollzieher mandatiert: „Wir haben den Auftrag zur Vollstreckung erteilt“, sagte Eschs Syndikus Dirk Fröse. Middelhoff-Anwalt Winfried Holtermöller bestritt, dass Mil-lionenforderungen gegen Middelhoff zu dessen Umzug geführt hätten. Er sei über die Anwälte jederzeit erreichbar. Fraglich ist, inwieweit Middelhoff tatsächlich seinen Lebensmittelpunkt nach Frankreich verlagert hat. Er unterhält in seiner Villa in Bielefeld weiter ein Büro.
Unterdessen steigt der juristische Druck auf Middelhoff. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat in ihrer seit Sommer dem Landgericht Essen vorliegenden Anklage unter anderem 48 Flüge aufgeführt, die Middelhoff unberechtigt auf Kosten des Arcandor-Konzerns abgerechnet haben soll.
Middelhoff bestreitet die Vorwürfe. In einem Verfahren gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim, von dem das Ehepaar Middelhoff Schadensersatz für verlustreiche Immobilieninvestments begehrt, hat die Bank zudem vergangene Woche Gegenklage eingereicht.
DER SPIEGEL 49/2013, Seite 72



