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Was den DAX bewegt

Forscher des Center for Quantitative Risk Analysis (CEQURA) der Ludwig-Maximilians-Universität München und des ifo Instituts untersuchten in einer aktuellen Studie, inwieweit regelmäßig veröffentlichte, makroökonomische Kennzahlen Einfluss auf den deutschen Aktienmarkt haben.

 

Das Resultat: Veröffentlichungen, die von den Erwartungen der Marktteilnehmer abweichen und so für Überraschungen sorgen, wirken sich in rund zwei Drittel der Fälle sofort auf den deutschen Aktienmarkt aus. Vor allem Daten zu Investitionen, Zahlen über die realwirtschaftliche Aktivität oder Ergebnisse von Wirtschaftsumfragen bewegen die Börse.

Wie beeinflusst die Veröffentlichung makoökonomischer Daten die Entwicklung von Aktienwerten? Während sich die meisten Untersuchungen zu dieser Frage auf mögliche Zusammenhänge zwischen der Publikation von US-Daten und der Entwicklung US-amerikanischer Finanztitel konzentrieren, unterzogen in ihrer Studie die CEQURA-Forscher Professor Stefan Mittnik und Dr. Nikolay Robinzonov sowie Dr. Klaus Wohlrabe, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Konjunkturforschung und Befragungen, das Thema einer tiefergehenden Prüfung und nahmen dabei das Verhalten des Deutschen Aktienindex (DAX) genauer unter die Lupe. Sie untersuchten die Auswirkungen von 64 verschiedenen Veröffentlichungen, darunter 53 über Wirtschaftsdaten aus den USA, sechs aus Deutschland und fünf aus der Eurozone, im Hinblick auf das Kursverhalten und die Volatilität des Aktienbarometers der 30 führenden deutschen Unternehmen. Die Experten analysierten den Aktienmarkt an rund 2.500 Handelstagen, die im Zeitraum vom 2. Januar 1997 bis zum 28. Dezember 2006 lagen. "Die Gründe, den Deutschen Aktienindex ins Visier zu nehmen, lagen für uns auf der Hand: Zum einen ist der DAX ein auch für ausländische Investoren bedeutender Index, und zum anderen lässt sich damit überprüfen, ob es grundsätzlich einen grenzüberschreitenden Zusammenhang zwischen realwirtschaftlichen Daten und Aktienmärkten gibt", erklärt Stefan Mittnik. Als weiteren Vorteil stellt er fest: "Die deutsche Börse ist - im Gegensatz zu den USA - zu dem Zeitpunkt, an dem die meisten US-Daten veröffentlicht werden, bereits geöffnet, so dass auch die Reaktionsschnelligkeit genauer geprüft werden kann."



Überraschungen sorgen für Bewegung - mit Ausnahmen

Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass Veröffentlichungen von wirtschaftlichen Daten grundsätzlich Auswirkungen auf den deutschen Aktienmarkt haben. Bei insgesamt 42 der 64 Veröffentlichungen reagierte der DAX schon innerhalb der ersten Minuten deutlich, davon bei 37 Veröffentlichungen, die sich auf ökonomische Daten aus den USA bezogen, was die Bedeutung der US-Wirtschaft für die stark exportorientierten, an der Börse notierten deutschen Unternehmen unterstreicht. Von den sechs in Deutschland veröffentlichten Datenarten hatten drei Einfluss auf den DAX, und lediglich zwei von fünf europäischen Veröffentlichungen sorgten für signifikante Bewegung an der deutschen Börse. Darüber hinaus waren 20 von 64 Veröffentlichungen mit längerfristigen Auswirkungen verbunden.

Signifikate Effekte ergaben sich insbesondere nach der Verkündung von Daten zum Arbeitsmarkt, zum Investitionsverhalten oder nach Veröffentlichung von Indikatoren, die auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung deuten, wie z.B. das Konsumverhalten. Erhöhte Handelsaktivitäten zeigten sich vor allem dann, wenn ein positives Konsumklima, eine Zunahme des BIP, wachsende Lohnstückkosten oder steigende Erzeugerpreise aus den USA gemeldet wurden. Eine entscheidende Rolle nimmt die Erwartungshaltung der Finanzmarktakteure ein: Waren im Rahmen der Studie die publizierten Zahlenwerte zur realwirtschaftlichen Aktivität höher als zuvor von Börsianern erwartet, stieg auch das Niveau des DAX deutlich. Im Gegensatz dazu war eine signifikante Abwärtsbewegung des Deutschen Aktienindex zu beobachten, wenn Arbeitskosten oder Preisindizes höhere Werte aufwiesen als die Marktteilnehmer erwarteten. Doch nicht in jedem Fall hatten Überraschungen eindeutige Ausschläge auf dem Aktienmarkt zur Folge: "Ein unerwartet kräftiger Anstieg des Konsumverhaltens oder des BIP führte zu deutlichen Bewegungen beim DAX, wenn diese Indizes jedoch unter den Erwartungen lagen, tat sich so gut wie nichts auf dem Börsenparkett. Anders verhielt es sich, wenn der Index der Verbraucherpreise nicht in dem Maße anstieg, wie die Marktteilnehmer zuvor annahmen. Dann reagierte der Aktienmarkt stärker als in den Fällen, in denen der Zuwachs des Verbraucherpreisindex über den Erwartungen lag", kommentiert Klaus Wohlrabe, Koautor der Studie.

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