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Chodorkowski sieht schwarz für Russland

Chodorkowski: „Russland ist ein archaisches politisches System“. -  „Letztlich werden die gesellschaftlichen Spannungen weiter zunehmen“.


Der russische Regimekritiker Michail Chodorkowski hat in einem Interview mit WirtschaftsWoche online die politischen und ökonomischen Zustände in seinem Land scharf kritisiert. „Innovative Aktivität kann sich nicht entwickeln, wenn die Menschen unter den Bedingungen der Unfreiheit leben. In Russland ist die Folge, dass der Anteil von Unternehmen wächst, die entweder ganz und gar von Rohstoffen abhängen oder deren Produkte keine besondere kreative Leistung erfordert.“ Russlands Präsident Wladimir Putin hat angekündigt, den Ölunternehmer, der wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Steuerhinterziehung seit zehn Jahren in Haft sitzt, bald zu begnadigen.

Auf die Frage nach einer baldigen Haftentlassung sagte Chodorkowski: „Ich versuche, daran gar nicht zu denken. Die Hoffnung auf eine baldige Freilassung könnte mich Mut und Verstand kosten.“

Für Russlands Zukunft äußerte sich Chodorkowski pessimistisch: „Letztlich werden die gesellschaftlichen Spannungen weiter zunehmen“, warnt der prominente Häftling. „Ein archaisches politisches Regime wie das russische ist nicht in der Lage, komplexen politischen, gesellschaftlichen oder ökonomischen Prozessen Herr zu werden. Putin versteht das sehr genau. Aber er verhindert die nötigen Reformen, weil sie für ihn irgendwann unweigerlich den Machtverlust zur Folge haben würden. Das ist seine größte Furcht, sein Albtraum.“

Bis 2015 könne, so Chodorkowski, das Regime „sein Wirtschaftsmodell wohl noch über die Zeit retten. Danach kann jede ernsthafte Krise für das Regime die letzte sein. Ich weiß nicht, wann das Kartenhaus zusammenfällt. Aber je länger es dauert, desto größer wird die Gefahr radikaler Zäsuren“, sagte Chodorkowski gegenüber WirtschaftsWoche online.
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