Wie sich doch die Zeiten ändern: Vor wenigen Jahren war das vorherrschende Klischee von Bloggern, dass es sich um Menschen mit ausgeprägter Sozialphobie handelt, deren Leben sich ausschließlich im Internet abspielt, wo sie zu jedem noch so unwichtigen Thema ihre Meinung kundtun. Dass dieses negative Image der Vergangenheit angehört, zeigt die seit Jahren kontinuierlich ansteigende Zahl von Blogs und deren wachsende Qualität.
Zuallererst hätte ein Artikel über Weblogs und Blogger damals jedoch damit beginnen müssen, beide Begriffe zu erklären. Das ist inzwischen nicht mehr nötig, denn ein nicht unerheblicher Teil der Menschen, die sich täglich im Internet bewegen, lesen regelmäßig mehrere Blogs oder haben von den einflussreichsten Bloggern zumindest an anderer Stelle schon einmal gehört.
Das zeigt, als wie selbstverständlich Blogger heute als Teil der Nachrichtenkommunikation in ihrem speziellen Fachgebiet gesehen werden. Wenn selbst eine angesehene Wochenzeitung wie der SPIEGEL die Blogger Sascha Lobo und Stefan Niggemeier unter seine Fittiche nimmt oder die ZEIT und die FAZ zu jedem Ressort ein eigenes Blog einrichten, auf dem erfahrene Autoren ihre Meinung zum aktuellen Geschehen abgeben, wird klar: Die Blogger sind in den Reihen der Journalisten angekommen.
Ganz deutlich wird das an Sascha Lobos FAZ-Artikel, in dem er seine Enttäuschung über den geplatzten Traum eines freien und demokratischen Internets angesichts des NSA-Skandals darstellt. Dieser Artikel wurde von jeder bedeutenden journalistischen Publikation zitiert und von zahlreichen bedeutenden Stimmen kommentiert. Eine solches Medienecho auf den Beitrag eines Bloggers wäre noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen.
Natürlich stellt sich an diesem Punkt die Frage nach der Unabhängigkeit der Blogosphäre, auf die gerade die Kämpfer der ersten Stunde sehr stolz waren und die sie als Errungenschaft des Internetzeitalters feierten. Denn auch wenn Blogger generell dafür bekannt sind, ihren Prinzipien treu zu bleiben, kann man die Frage in den Raum werfen, wie stark die Themen vorgegeben oder Inhalte redaktionell nachbearbeitet werden, um zur politischen Grundausrichtung des jeweiligen Blattes zu passen.
Doch nichtsdestotrotz ist die Entwicklung, dass die Grenzen zwischen Bloggern und Journalisten sowohl in die eine als auch die andere Richtung durchlässig werden, als äußerst positiv zu werten. Es beweist nämlich, dass man sich auch als vollkommen unbekannter Blogger, der sein Blog eher als persönliches Tagebuch führt, durch die Abdeckung gesellschaftlich relevanter Themengebiete und den Aufbau eines regelmäßigen Leserkreises zum meinungsbeeinflussenden Journalisten emporarbeiten kann.
Ein Ziel, das immer mehr jungen Menschen verlockend erscheint, was man aus der seit Jahren weltweit wachsenden Anzahl von Blogs schließen kann. An dem hohen Prozentsatz von Müttern bzw. Eltern unter den Bloggern ist ersichtlich, dass die zeitliche Flexibilität, mit der man sich um sein Blog kümmern kann, dieser Gruppe besonders entgegen kommt. Doch nichtsdestotrotz sollte man, um zu einem erfolgreichen Blogger zu werden, von Anfang an ein stimmiges Konzept verfolgen.
Das beginnt bereits mit der Wahl des Namens und des Designs, denn eine charakteristische Gestaltung wird viel schneller im Gedächtnis von Zufallslesern hängen bleiben. Mit den im Zuge der neuen Top-Level-Domains eingeführten Domainendungen wie .fashion, .news oder .blog, die bei Anbietern wie 1und1 bereits unverbindlich reserviert werden können, können potentielle Leser bereits im Voraus erkennen, was sie beim Besuch der Seite erwartet.
Hat man auf diese Weise zunächst einige Besucher angelockt, müssen dann natürlich auch ein ansprechendes Design und bestenfalls tagesaktuelle, gut aufbereitete Inhalte dafür sorgen, dass diese zu regelmäßigen Lesern und Kommentatoren werden.
Doch keine Sorge, selbst wenn man das Bloggen nicht von Anfang an so professionell angegangen ist und in der Jugendzeit ein Blog über die schönsten Katzenvideos und -geschichten geführt hat, kann auch das später hilfreich sein. Denn was man dabei auf jeden Fall lernt, ist das Formulieren und die ansprechende Gestaltung der einzelnen Beiträge – beides Qualitäten, die im Berufsleben von großem Nutzen sein können.



