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Türkei: Exodus am Bosporus

Schwellenländer am Abgrund: Sowohl die Türkische Lira als auch der Argentinische Peso haben am Freitag ihre ohnehin schon lang anhaltende Talfahrt verschärft. Im DAX stürzten besonders Commerzbank und Deutsche Bank. Droht eine neue Krise?

 

Letzte Woche Donnerstag schien die Börsenwelt noch halbwegs in Ordnung zu sein. Doch schon einen Tag später stürzte der DAX um fast 300 Punkte ab und hat sich seitdem auch nicht mehr so richtig erholt. - Besonders die Finanzwerte krachten nach unten  - allen voran die Commerzbank und die Deutsche Bank. Sie waren bisher die Gewinner des neuen Jahres. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden.

Urplötzlich materialisierte sich eine neue Krise. Oder zumindest deutet sich eine an. Doch diesmal sind es zur Abwechslung nicht mehr die Industriestaaten, sondern mal wieder die Schwellenländer, allen voran Argentinien und die Türkei. Gerade bei der Türkei könnten sich bei den Banken neue, unerwartete Probleme auftun, was sich bereits an den Kursabschlägen ablesen läßt.


Natürlich kommt es nicht urplötzlich, dass diese Länder Probleme haben. Argentinien ist hoch verschuldet und die Türkei lebt mit ihrem gigantischen Handelsbilanzdefizit auch auf Pump. Das war ja alles schon so weit bekannt und auch kontrollierbar. Doch für ein Land, das entweder hoch verschuldet ist im Ausland oder sehr viel importiert, ist der Wechselkurs der eigenen Währung unglaublich wichtig.

Sowohl die Türkische als auch der Argentinische Peso haben nun am Freitag letzter Woche ihre ohnehin schon lang anhaltende Talfahrt verschärft. Der Peso wertete gar um fast 15 Prozent innerhalb kürzester Zeit ab. Die türkische Notenbank hat zwar schon mit einer hysterischen Zinserhöhung, doch der dadurch ausgelöste Kurssprung der Lira wurde schon wieder zu großen Teilen abverkauft. Es bleibt der hohe Leitzins, der das Wachstum abwürgen wird. Dazu hat am Mittwochabend die Federal Reserve QE3 erneut um zehn Milliarden Dollar gedrosselt. Das verstärkt erfahrungsgemäß die Kapitalflucht aus den Schwellenländern. Die Rallye steht nunmehr auf fragilen Beinen. Doch noch ist sie nicht endgültig beendet.

Allerdings fragt man sich bei dem Vorgehen mancher Akteure, ob es nun doch zu einer ausgewachsenen Schellenland-Krise kommen könnte. Scheinbar wie aus heiterem Himmel kam wie gesagt die Krise in den Schwellenländern. Anscheinend kam sie auch für die türkische Notenbank ziemlich überraschend. Denn erst wenige Tage bevor sich die Währungsturbulenzen verschärften und die Krisenangst auslösten, kam die Central Bank of the Republic of Turkey (CBRT) zu einer regulären Sitzung zusammen. Doch die CBRT tat nichts und ließ den Leitzins unbehelligt, obwohl die Lira in den zwei Monaten zuvor schon gut 15 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet hatte. Doch dann urplötzlich als der Dominoeffekt aus Argentinien an den Bosporus überschwappte, berief die CBRT eine Notfall-Sitzung ein. Das alleine ist schon ein unglückliches Vorgehen.

Analysten und Wirtschaftsexperten forderten einen aggressiven Zinsschritt ein, um die Kapitalflucht einzudämmen. Das tat die CBRT dann auch. Und wie! Die Notenbank erhöhte den Leitzins von 4,5 Prozent auf schier unfassbare 10,0 Prozent! Man kann diesen Zinsschritt getrost als hysterisch ansehen. In einer ersten Reaktion gelang aber wenigstens vorübergehend die gewünschte Wirkung. Der Euro/Türkische Lira Wechselkurs fiel von 3,2724 Lira auf  2,9523 Lira, wobei ein Teil der Lira-Aufwertung schon vor der Bekanntgabe der Zinsentscheidung stattfand. Doch mittlerweile notiert der Euro/Lira schon wieder bei circa 3,08 Türkische Lira. Damit ist der Effekt dieser Zinssenkung verpufft! Was bleibt ist ein unglaublicher Zinsschritt, der die angeschlagene Konjunktur in der Türkei in den Würgegriff nehmen wird. Investitionen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit massiv zurück gefahren werden. Der Konsum dürfte auch einen empfindlichen Schlag bekommen. Das Ganze wirkt als ob die Notenbank eine Getriebene der Märkte wäre. Die Zinsen anzuheben war notwendig. Aber die CBRT ist dabei völlig über das Ziel hinaus geschossen! Das ist beängstigend, denn eine Notenbank, die sich einmal vom Markt treiben lässt, verliert an Glaubwürdigkeit. Doch die wäre gerade jetzt bitter nötig!

Wie es auch anders geht, hat gestern Abend die Fed gezeigt. Wohlwissend dass es die Schwellenländer weiter belastet, ist sie ihrem Kurs dennoch treu geblieben und hat QE 3 nochmals um zehn Milliarden Dollar reduziert. Während die USA immer weniger Sorgekind werden, müssen wir uns um die Türkei zunehmend Sorgen machen. Es bleibt allein zu hoffen, dass es nicht zum Flächenbrand kommt. Beunruhigend ist allerdings die Beobachtung, dass nun auch in Osteuropa die Währungen langsam – teilweise auch schon etwas schneller – anfangen abzuwerten. Kommt es zu einer generellen Vertrauenskrise in alle Schwellenländer, dürfte die schöne Dauerparty der Börsen-Bullen zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Anleger sollten nun äußerst vorsichtig agieren!

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