Dass mancher Goldbarren mit Wolfram ausgehärtet ist, verwundert heute niemanden mehr. Aber auch die Olympia-Goldmedaillen haben einen unechten Kern: Sie bestehen eigentlich aus Silber und sind nur mit einer Goldschicht überzogen.
Die olympischen Winterspiele in Sotschi: Die Elite des Wintersports kämpft für etwas mehr als zwei Wochen um sportlichen Ruhm und Ehre – und um olympisches Edelmetall. Doch besteht die Siegermedaille bei olympischen Spielen heutzutage überhaupt noch aus Gold?
Der Biss in die Medaille - für einen frisch gekürten Olympiasieger gehört dies zu den besonders beliebten Siegerposen. Das Hineinbeißen erinnert dabei an einen alten Gold-Test, denn reines Gold gibt den Zähnen etwas nach. War es mit anderen Materialien gestreckt, also gefälscht worden, war das Metall härter.
Die olympischen Goldmedaillen sind allerdings nicht fürs echte Zubeißen gedacht, denn eine Siegermedaille bei Olympia besteht fast ausschließlich aus purem Silber und ist nur mit sechs Gramm Gold überzogen. Eine aktuelle Goldmedaille hat dadurch einen Wert von ca. 500 US-Dollar. „Würde die Medaille wirklich aus reinem Gold bestehen, läge der Wert bei weit über 15.000 US-Dollar“, erläutert Edelmetall-Experte Benjamin Müller. Übrigens: Das letzte Mal, dass bei Olympia eine Goldmedaille verliehen wurde, die zu einhundert Prozent aus echtem Gold bestand, war 1912 in Stockholm.
Medaillen symbolisieren die Vielseitigkeit Russlands
Die rund 1.300 hergestellten Scheiben in Gold, Silber und Bronze für die Olympischen Spiele und die Paralympics 2014 haben einen Durchmesser von zehn Zentimetern und wiegen je nach Farbe zwischen 460 und 531 Gramm. Alle verwendeten Metalle wurden dabei auf dem Gebiet Russlands gefördert und von der Moskauer Juwelierfabrik „Adamas“ in einem 18 Stunden dauernden Prozess verarbeitet. Die Medaillen besitzen in der Mitte eine halbkreisförmige Aussparung, in die ein Polykarbonat-Einsatz eingefügt wird – zum ersten Mal in der Geschichte von Olympia. Darauf findet sich der Abdruck einer traditionellen Patchwork-Decke, die die vielfältigen Traditionen und Kulturen der unterschiedlichen ethnischen Gruppen Russlands zeigen soll.
Gold – Verarbeitungsmaterial und wertvolle Geldanlage
Auch abseits von Olympia ziehen Edelmetalle die Menschheit bereits seit über 6.000 Jahren in ihren Bann. „Bevor die Menschen Metalle wie Bronze und Eisen durch Feuer gewannen oder bearbeiteten, lernten sie das Gold kennen. Ein gelbes Metall, das glänzt wie die Sonne und in reiner Form zu finden ist – das hat den Menschen seit jeher fasziniert“, erklärt Benjamin Müller, Geschäftsführer von BM Edelmetalle aus Koblenz.
Schon seit der Antike verwenden die Menschen Gold als Zahlungsmittel oder zur Herstellung von Schmuck. Die Bereiche in denen das Edelmetall zum Einsatz kommt, sind über die Jahrtausende vielfältiger geworden: Ob in der Zahnmedizin für Füllungen, in der Optik als Beschichtung, in der Elektronik als Verbindungsdraht oder Kontaktfläche. Gold ist gefragt - selbstverständlich auch als Geldanlage.
Edelmetalle gelten als eine Art Versicherung: Bricht das Finanzsystem zusammen oder kommt es zu einer Hyperinflation, werden Gold und Silber als krisenfeste Anlage angesehen. „Der Anteil des Vermögens in Edelmetallen sollte generell bei 5 bis 10 Prozent liegen. Bei historischen Verschuldungskrisen wie wir sie momentan erleben, sogar noch mehr“, meint Experte Benjamin Müller.
Der Wert im Gold kommt übrigens durch die beschränkte Verfügbarkeit. „Sie können Gold nicht durch chemische Reaktionen herstellen, wie das früher die Alchemisten versucht haben. Gold muss unter großem Aufwand aus dem Boden geschürft werden. Die Seltenheit macht es so wertvoll“, erklärt Benjamin Müller. Für die Goldmedaillengewinner von Sotschi wird der Wert aufgrund des seltenen Vorkommens wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen. Wer sich den Traum von olympischem Gold erfüllt, wird darüber hinwegsehen können, dass nur 6 Gramm der Medaille tatsächlich aus echtem Gold bestehen. Der Rest ist Ruhm und Ehre.



