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Welt- oder Wirtschaftskrieg?

Gefährliche Macht-Pokerspiele – droht nach der Abspaltung der Krim ein Welt (wirtschafts-) Krieg? Wirtschaftssanktionen können Weltwirtschafts-Krise auslösen. Gazprom als Energie-Waffe. Konfrontation statt Kooperation. Wird die Ukraine ein zweites Griechenland für die EU? Aus einer Mücke kann ein „black swan“ werden.

 

von Andreas Männicke  

Die Krim hat   am 16. März 2014 mit großer Mehrheit von 95% bei einer Wahlbeteiligung von 80%  die Abspaltung zur Ukraine und damit die Zugehörigkeit zu Russland per fragwürdigem Referendum beschlossen, was auch nicht anders zu erwarten war. Möglicherweise wird dieser Tag als historisch und zugleich tragisch in die Geschichte eingehen, denn die geopolitischen und weltwirtschaftlichen Folgen können von großer Bedeutung sein. Es drohen nun Russland zunächst seitens der USA und auch durch Europa verschärfte Sanktionen, die aber auch zum Eigentor werden können. Es geht dabei im ersten Schritt nur um Einreiseverbote in die EU und in die USA sowie um Kontensperrungen von bestimmten, noch nicht genannten Politikern aus der Ukraine und aus Russland. Wirtschaftliche Sanktionen sind (noch) nicht gemeint, sie wären auch Selbstmord.


Zudem wollen viele westliche Länder die Abspaltung der Krim völkerrechtlich nicht anerkennen. In einer UN-Resolution wurde die Aberkennung des Referendums durch das Veto Russlands zunichte gemacht. China enthielt sich der Stimme. Die G7 wollen nun vorbereiten, dass Russland aus der G8 rausgeworfen wird. Auch wollen sie nicht zum G8-Treffen im Juli nach Sotschi fahren. Ich halte das alles für den falschen Weg, denn gerade jetzt ist es wichtig, den Dialog aufrecht zu erhalten und China und Russland als gleichberechtigte Gesprächspartner einzubeziehen. Im Moment sieht es mehr danach aus: „Alles, was man macht, macht man falsch!“ Immerhin stimmte Putin nach einem Gespräch mit Merkel zu, dass nun OSZE-Beobachter in der Ukraine verweilen dürfen, um die Situation in der Ost-Ukraine zu beobachten.


Denn alles das sieht aber im Moment mehr nach Konfrontation als Kooperation aus. Und das ist in Anbetracht der viel zu hohen Verschuldung der meisten Industrienationen eine sehr gefährliche und fragile Situation für die Welt-Wirtschaft. Hier ist jetzt besonnene und kluge Diplomatie gefragt und nicht die Rhetorik des „kalten Krieges“, wohlgemerkt auf beiden Seiten! Russland ist für Europa ein sehr wichtiger Wirtschaftspartner. Einen Konfrontationskurs kann sich Europa und die Welt in Anbetracht der Überschuldung und der sich daraus ergebenden Wachstumsnotwendigkeiten nicht leisten. Deutschland plant für das nächste Jahr einen ausgeglichenen Haushalt. Dabei wurde aber sicherlich der sich jetzt verschärfende Konflikt zwischen Russland und Europa noch nicht einberechnet


Der Krieg Russland gegen Georgien weist Ähnlichkeiten mit der Situation jetzt in der Krim bzw. der Ost-Ukraine auf. Auch damals machte Russland die NATO und westliche Mächte dafür verantwortlich, dass es überhaupt zum Krieg kam. Die USA wollen wohl ihrerseits sprichwörtlich  mit aller Macht eine Ausweitung der eurasischen Zollunion vermeiden, um ihren geostrategischen Einflussbereich auszuweiten. Dies lässt viel Raum für Verschwörungstheorien und undurchsichtige Geheimdienst-Aktivitäten auf beiden Seiten. Hier scheint es zumindest im Hintergrund schon lange einen „Kalten Krieg“ zwischen Russland und die USA zu geben. Was auffällt, ist auch die schnelle Präsenz der amerikanischen Außenminister Kerry in Kiew. Europa sollte jetzt genau überlegen, wie es agiert. Ein Konfrontationskurs mit Russland könnte sich zum Bumerang und Eigentor entwickeln. Die deutsche Wirtschaft zittert schon, dass jetzt übereilt falsche politische Entscheidungen getroffen werden. Es wird ein  Drahtseilakt der Diplomatie werden mit Konsequenzen  für die Weltwirtschaft und die Weltbörsen.


Eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Ost- und West-Ukraine wäre aber das worst case-Szenario mit unabsehbaren Folgen für den Weltfrieden und auch die Weltwirtschaft. Auch ein schnelles Assoziierungsabkommen mit der Ukraine halte ich mit dieser demokratisch nicht gewählten und zum Teil durch die Beteiligung der nationaltischen Swoboda-Partei sehr fragwürdigen Regierung für den übereilten und völlig falschen Schritt, da er auch dazu beiträgt Öl ins Feuer zu gießen.


Russland könnte zudem als Gas-Waffe aber auch Gazprom einsetzen und dies ist für schon bald aktuell, wenn Gazprom der Ukraine den Gashahn abdreht. Die Ukraine schuldet Russland noch über 2 Mrd € für Gaslieferungen. Dann könnte es eine Energiekrise geben- Öl- und Gaspreise werden dann schnell nach oben steigen, was wiederum das Wachstum der Weltwirtschaft gefährden könnte. Für Gazprom ist die Ukraine von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Daher fiel der Gazprom-Kurs letzte Woche schon auf ein neues 5-Jahrestief von 4,8 €. Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 3 fundamental stark unterbewertet, steht aber jetzt auch im Fokus der Investoren beim Ukraine-Konflikt.


Mit der Eingliederung der Krim in russisches Hoheitsgebiet macht nun Russland ein wirtschaftliches Eigentor, denn die Region ist strukturschwach, die Arbeitslosigkeit hoch und der Subventionsbedarf hoch. Möglicherweise will Putin dabei nur von die hausgemachten Probleme ablenken und dann später dem Westen die Schuld für die Wirtschaftsmisere im eigenen Land geben. Die Dämonisierung der westukrainischen Regierung als Faschisten und Nationalisten ist ebenfalls zu kritisieren, spricht aber Bände.


Auch  die Umsetzung von Sanktionen könnte schon gefährliche Folgen für die Weltwirtschaft haben, die heute noch keiner absehen kann. So könnte aus einer Mücke ein „black swan“ werden. Ganz unabhängig davon dürfte sich die Weltwirtschaft nicht so positiv entwickeln wie es die meisten Konjunktur-Institute angenommen haben. Auch die Gewinnentwicklung dürfte hinter den Erwartungen bleiben. In einigen Ländern drohen sogar Rezessionen, wenn die politischen Risiken zunehmen wie in der Türkei, Venezuela. Argentinien und Südafrika.


Eine Kombination von schwachen Wirtschaftsdaten und Kriegsgefahren kann sogar zu einem Börsencrash führen. Die nächsten Wochen und Monate dürften daher sehr turbulent werden. Auch in der letzten Woche nahm die Unsicherheit zu und es gab eine Flucht in angeblich sichere Häfen und dies sind im Moment für den Anleger ganz offensichtlich Gold und Anleihen. Der Goldpreis stieg in 1 Monat von 1300 auf das neue Jahres-Hoch von 1383 USD/Unze, während Silber in den letzten Wochen nur seitwärts tendierte und am Freitag bei 21,48 USD/Unze schloss.


Der DAX verlor letzte Woche 700 Indexpunkte von 9700 auf unter 9000 Indexpunkte. Schon im letzten Jahr verdienten die DAX-Unternehmen 8% weniger als im Vorjahr. Auch in den USA nimmt die Gewinndynamik ab und die Aktien werden immer teurer. Die Börse koppelt sich damit den der realen wirtschaftlichen Entwicklung schon ab. Es werden nun Konjunkturdämpfer in den USA und in China erwartet. Es gibt eine Reihe von Frühwarnindikatoren wie der überraschend schwachen Yuan und der schwache Kupferpreis. Der Kupferpreis brach im März von über 7000 auf unter 6500 USD/Tonne ein und Kupfer ist eines der wichtigsten Industriemetalle mit Signalwirkung. Es gibt schon einige Frühwarn-Signale, die auf einen möglichen Crash in den nächsten Monaten hinweisen, ganz abgesehen von den Ereignissen in der Ukraine.


Auch die Charttechnik macht auf Gefahren aufmerksam. Beim DAX deutet sich eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation an. Bei unter 8850 sieht es gefährlich, weil dann die 200-Tageslinie gebrochen wird. Sie sollten in diesen Phasen der Unsicherheit mehr in Liquidität gehen und auch die Short-Möglichkeiten nutzen, die schon in der letzten Wochen auch beim russischen Aktienmarkt zu hohen Gewinnen führten.

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