Das Verfahren um den Ex-Bundespräsident Wulff hat drei Monate gedauert. Es ging um 700 Euro. Der Prozeß um Hoeneß dauerte nur drei Tage - und es ging um 28 Mio. Euro. Warum war der Prozeß so schnell zu Ende? Warum stellt die Staatsanwaltschaft keine weitere Fragen?
Offenbar sind alle Beteiligten zufrieden mit dem Ausgang des Hoeneß-Prozesses. Uli geht ins Gefängnis und damit ist alles gut?
Bei weitem nicht. Immer häufiger werden bohrende Fragen gestellt. Auf auffälligsten: der Prozeß hat nur drei Tage gedauert, während man bei Ex-Bundespräsident Wulff wegen 700 Euro drei Monate prozessiert hat.
Wurde bei Hoeneß etwa gemauschelt? Sollte etwas unter den Teppich gekehrt werden? Wollte die Justiz gar nicht alles wissen? Hat man einen Informanten gar nicht hören wollen? Geht Hoeneß lieber in den Knast, als den FC Bayern zu verraten?
Der wichtigste Vorwurf lautet: Auf dem Geheimkonto von Hoeneß bei der Schweizer Vontobel-Bank sei viel mehr Geld hin und her geschoben worden als bekannt. So berichtet das auch ein ungenannter Informant im Stern. Mit dem hat die Staatsanwaltschaft München II auch geredet, doch man wollte ihm für den Fall der Aussage keine Anonymität zusichern, vielleicht auch deswegen, weil seine Informationen nicht wirklich überzeugend waren.
Aber weil immer neue Einzelheiten bekannt werden, entsteht der Verdacht, dass es sich bei Hoeneß' Konto um eine schwarze Kasse des FC Bayern gehandelt haben könnte. Die Staatsanwaltschaft hält nun dagegen: "Wir haben durch die erst im Februar gelieferten Daten der Bank nun einen vollständigen Überblick über die Vermögensentwicklung auf diesem Konto", sagt Ken Heidenreich, der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Auch die Herkunft der Mittel ist restlos aufgeklärt. Wir haben lückenlos recherchiert, woher das Geld kam." Aber, sagt Heidenreich: "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich um ein FC-Bayern-Konto handelt."
Um die merwürdigen Devisengeschäfte scheint sich die Staatsanwaltschaft bewußt nicht zu kümmern. Doch gerade hier scheint der Schlüssel in der Affäre zu sein. Es waren laut Informantenhinweisen eben keine normalen spekulativen Deals, sondern getürkte Handlungen, mithilfe derer erst das Geld von A nach B floss. B steht für Hoeneß. Wer A war, dass müsste sich eigentlich herausfinden lassen. Doch die Staatsanwaltschaft hakt die Geschäfte bewußt als "Spekulation" ab - obwohl sie damit möglicherweise überhaupt nichts zu tun haben. Die Devisengeschäfte waren das "Überweisungsvehikel" - so die Darstellung eines Informanten.
Die Hoffnungen liegen jetzt bei findigen Journalisten. Dass die Sache nicht ganz geheuer ist, dürfte allgemein auffällig sein. Wenn die Bombe dereinst platzt, muss sich auch die Justiz peinlichen Fragen stellen. Nur selten wurde ein so großes, komplexes Verfahren in so kurzer Zeit durchgezogen. Und noch seltener äußert sich sogar die Staatsanwaltschaft "zufrieden" mit dem Ausgang und stellt keine Fragen. Der Fall Hoeneß ist noch längst nicht zu Ende.



