Der EZB-Rat plädierte einstimmig für den Einsatz unkonventioneller Maßnahmen, um effektiv gegen die Gefahren einer lang anhaltenden Phase niedriger Inflation vorzugehen, sollte dies nötig werden. - Euro runter, Gold und Silber von Tiefs erholt.
Von Deutsche Postbank Research
Die EZB hat auf ihrer April-Sitzung den Leitzins unverändert bei 0,25% belassen. Der Einlagensatz (0%) sowie der Spitzenrefinanzierungssatz (0,75%) wurden ebenfalls nicht angepasst. Darüber hinaus hat die EZB auch keine weiteren expansiven bzw. unkonventionellen Maßnahmen beschlossen. Damit erfüllte sie die Erwartungen der Marktteilnehmer weitestgehend.
In dem begleitenden Presse-Statement unterstrich die EZB allerdings stärker als noch im Vormonat, dass sie bereit ist, im Zweifel noch mal aktiv zu werden. Einige Formulierungen wurden verschärft (z.B. "sehr genau beobachten" statt "genau beobachten"), andere präzisiert. So sagte EZB-Präsident Draghi im Unterschied zur März-Sitzung, dass die EZB im Falle eines Falles zügig handeln würde und bekräftigte damit ihre Entschlossenheit. Dies wurde auch durch die neue Aussage verdeutlicht, dass der EZB-Rat einstimmig für den Einsatz unkonventioneller Maßnahmen plädiert hat, um effektiv gegen die Gefahren einer lang anhaltenden Phase niedriger Inflation vorzugehen, sollte dies nötig werden. Eine weitere interessante Neuerung war die Aussage, vor allem geopolitische Entwicklungen sowie den Euro-Wechselkurs genauestens im Auge zu behalten. Letzteres lässt darauf schließen, dass die Geldpolitik der EZB bei einer ungewollt starken Aufwertung des Euro nochmals expansiver wird, auch wenn Draghi später zu Protokoll gab, mit der Geldpolitik nicht explizit den Wechselkurs zu steuern.
An der grundsätzlichen Einschätzung der EZB bezüglich der Inflation und der wirtschaftlichen Entwicklung änderte sich nichts. Sie erwartet weiterhin, dass die Inflation zunächst niedrig bleibt, dann aber allmählich anzieht. Auch hier wurde Draghi expliziter als im März, da er angab, dass sich die Inflationsrate Ende 2016 wieder im Bereich der 2%-Marke befinden dürfte. Die Risiken für ihre Inflationsprojektion hält die EZB für ausgeglichen und Deflationsrisiken im Euroraum sieht sie nicht.
Unter dem Strich hat EZB-Präsident Draghi auf verbalem Wege den Standpunkt der EZB auf der heutigen Sitzung nochmals unterstrichen und präzisiert. Er machte sehr deutlich, dass die Notenbank ihre Geldpolitik nochmals expansiver gestalten würde, sollten es die Umstände erfordern. Dies wurde auch von den Märkten zur Kenntnis genommen. Der Euro wertete infolge der Pressekonferenz um ca. 0,3% gegenüber dem US-Dollar ab. Die 10-jährige Bundrendite stieg derweil zunächst leicht, da vermutlich einige Marktteilnehmer vom Ausbleiben weiterer Maßnahmen enttäuscht waren. Die klare Positionierung zu einer expansiven Geldpolitik, die sogar nochmals gesteigert werden könnte, sorgte jedoch mit Verzögerung zu einem Renditerückgang um ca. 3 Basispunkte auf 1,60%. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass der Leitzins auf Jahressicht unverändert bei 0,25% liegen wird und erwarten keine weiteren expansiven geldpolitischen Maßnahmen der EZB.



