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Super-Hausse oder Crash?

Impressionen auf der „Invest“ 2014: Neue Super-Hausse oder Crash/Bärmärkt? 100%-Chancen im DAX (Commerzbank). Hochfrequenzhandel und Wertpapierkredite als Gefahr. Euro: Draghi will wieder Gas geben. Deflation möglich? Ukraine-Konflikt noch nicht aus der Welt.  Moskauer Börse rauf.



von Andreas Männicke

Am 4./5. April fand wieder die Messe „Invest“ in Stuttgart statt, die relativ gut besucht war. Die „Invest“ hat sich als führende Messe für Geldanlagen und Finanzen in Deutschland etabliert. Neben den Großbanken waren  aber auch viele Broker und Trading-Firmen vertreten sowie das  Gold-Anbieter wie Degussa. Ich bedaure, dass auf dieser Messe nicht hinreichend die Chance genutzt wurde, wieder die „Aktie“ beim privaten Anleger „salonfähig“ zu machen. In diesem Jahr wird es Rekord-Dividendenausschüttungen geben, was insbesondere vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen bei Anleihen auch für die „Aktie“ als Anlage spricht.



Das Interesse, sich zu informieren ist wieder offensichtlich groß; das Interesse als aktiver Teilnehmer an der Börse in Sachwerte wie Aktien   zu investieren und dabei auch einen klaren Plan zu haben, eher gering, wobei auf der „Invest“ noch die aktiven Teilnehmer waren. Auch die Präsenz von Privatpersonen an Hauptversammlungen geht merklich zurück, was schlecht ist für die Aktionärs-Demokratie.



Die meisten Privatanleger hatten die Hausse beim DAX im letzten Jahr  nicht mitgemacht und fragen sich nun, ob nun ein guter Einstiegspunkt ist, oder nicht. Selbst im DAX gab es Aktien, die innerhalb eines Jahres mehr als 100% gemacht haben. So zum Beispiel die Commerzbank, die von 6 Euro auf aktuell über 14 Euro stieg. Doch hier sind nur die wenigsten dabei.

 

Ein weiterer Trend schon der letzten Jahre scheint mir zu sein, dass gerade das junge Publikum sich nicht über Aktien informieren will, sondern wie man das schnelle Geld durch Trading (=Gambling?) an der Börse macht, wobei das neue Bestseller- Buch „Flash Boys“ – Revolte an der Wall Street“ von Michael Lewis eigentlich eine hinreichend abschreckende Lektüre über die „Turbo-Zocker“ an der Wall Street oder anderswo auf der Welt sein sollte. Der Hochfrequenzhandel kann demnach einen Crash  quasi aus dem Nichts auslösen ebenso bzw. insbesondere in Kombination wie zu stark kreditfinanzierten Aktiengeschäfte.



Auf der Messe gab es einige Referenten wie der Charttechniker Achim Matzke von der Commerzbank, die nun nach 13-jähriger Seitwärtsbewegung bei Aktien von 2000 bis 2013 beim DAX-Indexstand von 8000 auf 9700 bei neuen Höchstkurse das goldene Zeitalter der Aktie wieder für das nächste Jahrzehnt kommen sehen. Andere sehen das skeptischer und glauben eher an einen Bärmarkt oder einen Crash noch in diesem Jahr. Wer hat recht dabei? Meine Meinung ist: Toyota hat recht: nichts ist unmöglich, aber rechnen Sie mit dem Unmöglichen! Der Anleger sollte also flexibel bleiben, denn keiner hat die berühmte Glaskugel und beide Szenarien lassen sich logisch begründen!



Ich selbst machte auf der „Invest“ 4 Vorträge über das Thema „Krim-Krise - Chance oder Crash?“ und war erstaunt über den großen Zuspruch und die gute Resonanz in Anbetracht der doch sehr ernsten und weltpolitischen/weltwirtschaftlich nicht unbedeutsamen Vorgänge im Rahmen der Ukraine/Krim/Russland-Krise.



Völlig unbeachtet blieb auf der „Invest“ und auch in den Medien, dass die USA und Japan ihre Verteidigungskooperation erhöhen wollen und dass auch die NATO die Präsenz in Polen und den baltischen Ländern erhöhen will. Die verstärkte amerikanisch-japanische Verteidigungskooperation sei eine Reaktion auf den Schusswechsel zwischen Nord- und Süd-Korea einerseits und das Säbelgerassel um die Inseln vor Japan im Streit mit China. Die USA  wollen nach den jüngsten nordkoreanischen Raketentests die Zahl seiner in Japan stationierten Aegis-Zerstörer bis 2017 um zwei auf sieben Schiffe erhöhen. Der nordkoreanisch Präsident Kim Jong Un droht den USA schon wieder seinerseits mit der Atombomben, wen die USA weiterhin zusammen mit Südkorea Manöver vor ihrer Haustür abhalten. So provozieren sich beide gegenseitig. Auch beim Ukraine-Konflikt halte ich nach wie vor genseitige Provokation und möglicherweise sogar bewusst imitierten Destabilisierungen in der Ost-Ukraine (im Mai noch vor den Präsidentschaftswahlen?) für möglich, was wiederum für die Weltbörsen und Weltwirtschaft nicht ganz ungefährlich wäre. Die von Schäuble und Clinton vorgetragenen Hitler-Vergleiche mit Putin sind wenig förderlich, zu einer Entspannung beizutragen.



Die größten unbestraften, legalen (?) Kursmanipulation betreiben m.E. aber die Notenbanken durch ihre „Drogenpolitik“. Was bei Welt- und Ostbörsen am Freitag bis 16.00 Uhr  noch mal stimulierte, war das Statement vom EZB-Chef Draghi am Vortag, dass er alle Instrumente nutzen werde, um weiter sinkende Inflationsraten zu verhindern. Draghi sieht offensichtlich immer noch die Gefahr einer Deflation und will dann, wenn die Inflationsrate unter 0,5% zu außergewöhnlichen Maßnahmen, neudeutsch „quantitave easing“, kurz: QE, ergreifen, was zuvor die FED und auch die japanische Notenbank schon sehr exzessiv einsetzte. Das Inflationsziel der EZB lieg wie in Japan bei 2%. Nun streiten sich die Geister, ob es wirklich eine Deflation mit verheerenden Auswirkungen für die Volkwirtschaft kommen kann oder nicht. Vielleicht muss auch hier im Mai die noch nicht gelöste Ukraine/Krim/Russland-Krise dafür herhalten, dass Draghi im Rahmen des QE noch einmal Gas geben wird.



Gazprom erhöhte wie angekündigt Anfang April den Gaspreis in der Ukraine um 80%, was die Ukraine aber nicht hinnehmen will und nun Gazprom vor einem internationalen Schiedsgericht verklagen will. Die Gazprom-Führung lehnte den Vorwurf der Ukraine ab, dass Gazprom Gas als Waffe benutzen würde. Die unterschiedlichen Gaspreise sind aber in der Tat fragwürdig und Gazprom musste im letzten Jahr  deswegen schon erhebliche Entschädigungs- bzw. Ausgleichszahlungen  für überhöhte Gaspreise im Milliardenvolumen an EON und RWE leisten.

 

Gespannt sein darf man nun auch, welche Gaspreise Gazprom mit China im April/Mai vereinbaren wird. Der Kurs von Gazprom stieg in der letzten Woche schon um über 10% von unter 5 auf 5,6 € an und war auch an deutschen Börsen mit erstaunlich hohen Umsätzen  von 5-10 Mio. € Tagesvolumen sehr stark nachgefragt. Am Freitag stieg der Gazpromkurs um 2,38% auf 5,68 €. Der RTS-Index stieg um 1,9% auf 1234 Indexpunkte, was ich aber auch erwarte und im meinem letzen EastStockTV-Video rechtzeitig angekündigt hatte.



Wie geht es nun weiter mit Gazprom &Co? Dieses und vieles mehr wollen wir auch diskutieren beim nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar am 13. Mai 2014 um 17.00 Uhr in Frankfurt/M. Es geht dabei aber darum wie sie ihre Gewinne im Falle eines „black swans“ absichern können, auch in Emerging Markets. Melden Sie daher jetzt an unter www.eaststsock.de, dort unter der Rubrik „Seminar“.

www.eaststsock.de

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