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EZB will Minuszinsen

Weiterer Schritt zur Enteignung der Sparer: EZB bereitet Minuszinsen vor. Das dürfte zunächst besonders die Banken treffen und deren Margen gefährden - hat aber natürlich auch Auswirkungen auf die Kunden.

 

Angesichts der niedrigen Inflationsraten in Europa greift die Europäische Zentralbank (EZB) zu immer radikaleren Mitteln. Nach Aussagen ihres Chefvolkswirts Peter Praet müssen die Banken wohl bald Strafgebühren bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der Notenbank deponieren wollen. „Negative Einlagenzinsen sind ein möglicher Teil einer Kombination von Maßnahmen“, sagte Praet im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT.

 

Eine solche Zinssenkung sei Teil einer breiter angelegten Offensive zur Abwehr der deflationären Tendenzen. „Wir bereiten eine Reihe von Dingen vor. Wir könnten den Banken erneut für einen längeren Zeitraum Geld leihen, möglicherweise gegen Auflagen. Wir könnten die Zinsen noch einmal senken. Auch eine Kombination mehrerer geldpolitischer Instrumente ist denkbar“, sagte Praet. Die Inflationsrate im Euro-Raum betrug zuletzt nur noch 0,7 Prozent, die EZB peilt einen Wert von nahe, aber unter zwei Prozent an. Praet ist in der EZB als Direktoriumsmitglied für die Vorbereitung der Zinsentscheidungen zuständig und damit einer der einflussreichsten Notenbanker in Europa. 

 

Praet deutete an, dass sich die EZB durch die negativen Zinsen vor allem eine Begrenzung der Aufwertung des Euro verspricht. In Dänemark, wo die Notenbank ebenfalls Minuszinsen eingeführt hatte, habe dies dazu beigetragen, die Aufwertung der dänischen Währung abzumildern. „Im Kontext der sehr niedrigen Inflationsrate im Euro-Raum ist eine Aufwertung auch für die Euro-Zone ein Problem, weil ein stärkerer Euro die Einfuhren verbilligen und die Inflationsrate noch weiter nach unten drücken würde.“

 

Befürchtungen, die Banken könnten die Strafgebühren an ihre Kunden weitergeben und damit Kredite verteuern, teilte er nicht. „Bei den Größenordnungen, über die wir reden, erwarte ich nicht, dass es dazu kommt“, sagte er.

 

Praet räumte ein, dass die niedrigen Zinsen eine Belastung für die Sparer seien, sie seien aber gleichwohl nötig. „Ich habe sehr viel Verständnis für die Nöte der Sparer, mein Geld liegt auch auf der Bank. Wir müssen diese Krise aber jetzt hinter uns bringen, davon profitieren auch die Sparer, weil dann die Zinsen in Zukunft wieder steigen. Es mag paradox klingen, aber in der aktuellen Situation kann dabei eine weitere Lockerung der Geldpolitik helfen.“

 

Staatsanleihekäufen nach Vorbild der amerikanischen Notenbank erteilte Praet indes vorläufig eine Absage. „Ich denke, dazu würde es erst kommen, wenn sich die Konjunktur und die Inflation in der Euro-Zone deutlich schlechter entwickeln als von uns erwartet“, sagte er.

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